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Schöne rauhe Welt – Reise durch die Südinsel (2)

(Chr) Der etwa 250 km lange Weg von der Otago Peninsula Richtung Westen ins kleine Städtchen Alexandra führt uns zunächst einigermassen unspektakulär durch sogenanntes “Farmland”. Farmland ist – ausserhalb der Ansiedlungen – in Neuseeland fast alles, was das Auge sieht. Die Land- und Forstwirtschaft ist noch vor dem Tourismus der größte Wirtschaftszweig des Landes, und im Grunde ist – abgesehen von den Küsten, den apinen Regionen, den Regenwäldern an der Westküste und den ausgewiesenen Nationalparks –  jedweder Quadaratmeter landwirtschaftlich überformt. Dabei spielen Viehzucht (Rinder, Schafe) und Milchproduktion die größte Rolle  und das mit allen ökolgischen Nebenwirkungen). Obst und Weinbau sind weitere wichtige ökonomische Stützen des Landes. Neuseeland exportiert etwa 90 Prozent seiner landwirtschaftlichen Produkte, zumeist nach Asien und Europa. Das Farmland sieht sehr unterschiedlich aus: es kann eine grüne, für uns sehr ursprünglich wirkende Hügelgraslandschaft sein oder auch ein Flusstal, in dem Rinder weiden. Auch das, was wir als attraktiven Wald links und rechts der Strassen betrachten, ist zumeist intensiv bearbeitete Nutzfläche. Die Möglichkeit, ähnlich wie bei uns in Deutschland solche land- oder forstwirtschaftlichen Flächen zu betreten, ist sehr begrenzt: in Neuseeland sind fast alle Flächen (die nicht dem Staat gehören) eingefriedet, und das Passieren der Landschaft zu Fuß ist nur auf ausgewiesenen Tracks möglich. Einfach “in den Wald gehen” oder “über die Wiesen laufen” – wie wir es aus Mitteleuropa gewohnt sind –  bleibt einem (zumindest offiziell) verwehrt.

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Wir sind freudig überrascht als sich die Farmland-Landschaft nach etwa 100 Kilometern in der Nähe von Middlemarch ändert: merkwürdig bizarre Stein- und Felsformationen ragen plötzlich aus den Weiden, wir nähern uns den “Schist Tors” und der “Rock and Pillar Range“. Es handelt sich um eine weitläufige Weidelandschaft, die von erodierten Schieferfelsen duchzogen ist. Die Range wurde als Hobbit-Location genutzt: eine Szene aus dem 1. Teil, bei der der Hobbit Bilbo Beutlin und die Zwerge vor den Orcs fliehen und den Eingang zu Rivendell (Bruchtal) entdecken, wurde hier gedreht. Wir finden den Eingang zu einem einstündigen Track, der zu dem einzigen neuseeländischen Salzsee, dem Sutton Salt Lake führt. Auf dem Weg, auf dem wir ganz allein unterwegs sind, faszinieren uns die bizarren Gesteinsformen. Sie laden zum Klettern und “Hobbit-Nachspielen” ein. Zwischendurch begegnen uns einige halbschläfrige Schafe und Hinweise auf die geologische und kulturhistorische Bedeutung der Landschaft. Dann frischt ein heftiger Wind auf und wir trollen uns zurück ins Auto.

Mt dem letzten Tropfen Benzin erreichen wir nach weiteren 100 Kilometern Ranfurly, eine Kleinstadt mit gut 1000 Einwohnern, die in einer trockenen Ebene, umgeben von Hügeln und etwas höheren Gebirgen liegt. In Ranfurly herrscht Kontinentalklima, hier wurde der “Tiefsttemperaturrekord für Neuseeland” gemessen, minus 25,6 Grad im Jahr 1903. Ranfurly war auch einer der vielen Orte des neusseländischen Goldrausches in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Und so ein wenig vom Dawson-City-Image hat sich das Städtchen bis heute bewahrt, ein touristisch attraktiver “gemischter Vintage-Style” prägt das Ortszentrum. Proper daher kommt im ehemaligen Bahnhof die i-Site (die Tourismusinformation), die gleichzeitig Museum ist. Wir finden dort ein Bild von einem internationalen Rugbywettbewerb aus der Spielzeit 1945/46, bei dem ein Spieler aus Ranfurly mit dabei war. Gegner der Neuseeländer waren damals übrigens Australien, England und (man staune) Germany. In Ranfurly ist im Übrigen ein kleines sehenswertes Museum in einer ehemaligen Milchbar beheimatet, das sich mit seiner Sammlung vor allem dem Art Deco-Alltagsdesign widmet. Betreut wird es von Ida, einer schätzungsweise Mitte-80-jährigen Frau, die uns die Schätze ihrer Kollektion mit großer Begeisterung näher bringt.

Weiter geht es noch ein halbes Autostündchen – bis wir Alexandra erreichen, ein Unterzentrum mitten zwischen Alpen und Küste (ausführlich dazu ein persönlicher Eindruck von Alexandra). Schnell merken wir, dass diese Stadt so einiges mehr als einen attraktiven Namen offeriert: Wir finden eine wunderschöne Hängebrücke unter der ein romantischer Fluss mit einladenen Badestellen fliesst. Wir wackeln über die “Shaky Bridge” und stehen vor schroffen, offensichtlich pflanzenlosen bräunlichen Felswänden. Doch ein wenig genauer Hinsehen hilft bisweilen: denn die Wände sind komplett übersät von niedrig wachsendem Thymian, der braune, verblühte Spitzen trägt. Die Anwohner der Gemeinde haben sich etwas Schlaues einfallen lassen, um diesen Schatz kundzutun. Sie haben vor einigen Jahren in die Felswand eine große Uhr gehängt. Sie symbolisiert “Time” und “Thyme”. Der Thymian wird im Übrigen im französischen Restaurant “Shaky Bridge Wines & Bistro”, das direkt unterhalb der Felsen liegt, für die hauseigene crème brûlée verwendet. Köstlich! Jährlich im November feiert Alexandra das Thymianfestival, zur Zeit der Kräuterblüte. Der Duft in dieser Landschaft muss in dieser Zeit überwältigend sein. Wir pflücken als Souvenir einen größeren Strauß vom trockenen Thymian, den wir den Rest der Tour als Gewürz verwenden.

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Zwei Tage verbringen wir in Alexandra und brechen aufgrund der Wetterprognose – anders als geplant – nicht Richtung Westen nach Queenstown auf, sondern orientieren uns zurück in den Norden, nach Glentanner, ein Camp am Eingang des Tals zum Mt. Cook Nationalpark. Der Idee war ursprünglich, über Queenstown und den Haast-Pass an die Westküste der Südinsel zu queren. Prognosen, die für die Westcoast anhaltenden Regen vorhersagen, bringen uns dazu, die Route zu ändern. Nach Glentanner führt eine sehenswerte “Scenic Route” entlang der Alpenkette. Dabei geht es – diesmal ohne Regen – durch blühende Lupinenfelder über den Lindis Pass  (mit Fotosession für die Blumenkinder).

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Mächtig beeindruckt uns der unwirklich türkisfarben schimmernde Lake Pukaki. Glentanner liegt an dessen Nordwestspitze. Wir schlagen unser Zelt bei stürmischen Winden auf, das Wetter ist auch hier sehr unbeständig.  Wir befinden uns auf dem Campingplatz direkt unterhalb einer Wettergrenze: ab und zu schwappen von Westen einige leichte Regenschauer in den tiefblauen Sonnenhimmel hinein. Ein Regenbogen der Extraklasse neigt sich über das Camp und die Berge. Die Nacht wird dann ein wenig unheimlich. Aus dem heftigen Wind wird ein ansehnlicher Sturm, die kleineren Kinder finden das nicht besonders lustig, denn immer wieder müssen wir nachts aus dem Zelt, um die Abspannseile und Häringe neu zu justieren, einzelne Zeltstangen halten dem Druck nicht stand. Zum Glück steht morgens unsere Behausung noch – mit Hilfe des 30 Meter-Seils unserer Hängematte, das wir zum provisorischen Stabilisieren nutzen.

Der Tag bringt bei gutem Wetter eine entspannte Wanderung an einen besonderen Ort: den Tasman-Gletschersee, etwa 20 km nördlich von Glentanner, nahe des Edmund Hillary-Alpincenter. Einige Eisbrocken schwimmen auf dem Gewässer und in einiger Entfernung entdecken wir die Abbruchkante der Eismassen, die insgesamt 29 Kilometer lang und bis zu 3 km breit sind. Die Gletscher in Neuseeland sind insbesondere in den Niederungen der Alpen von Schutt bedeckt, so dass sie grau-brau überfärbt sind. Wir ahnen, welche Naturgewalt hier am Werke ist. Beim letzten großen Erdbeben in dieser Region (Christchurch 2011) brachen 33.000.000 Tonnen Eis in den Gletschersee, ein Abbruch, der in der Folge im Lake Pukaki eine Tsunamiwelle von 3,5 Metern Höhe auslöste. Wir sind beeindruckt, und die weibliche Doppelspitze unserer Group schliesst noch eine dreistündige Wanderung Richtung Hooker-Valley an, die über drei Hängebrücken vorbei an Gletschern führt, die aus der Region rund um den Mount Cook abfliessen.

Die zweite Nacht im Glentanner-Camp wird dann noch ungemütlicher als die erste. Die Wettervorzeichen stehen auf heftigem Regen und einige Mitbewohner der Campsite, deren Zelt die vorherige Sturmnacht nicht wirkich gut überstanden haben, ziehen es vor, auf den Couchen im im Servicehaus zu schlafen. Keine schlechte Idee – wie sich später herausstellt. Sturm und Regen drehen wirklich enorm auf in der Nacht und wir haben erneut Mühe, das Zelt in passablem Zustand zu erhalten. Außerdem ist starker Regen auf einem großen Zelt sehr laut und lädt nicht unbedingt zum geruhsamen Erholungsschlaf ein. Erstaunlicherweise bleiben alle trocken, auch wenn das Zeltgestänge an mehreren Stellen gebrochen ist.

Für den nächsten Tag steht eine mehrstündige Autotour auf dem Programm. Wir möchten weiter nach Norden, um dann über den Arthur’s Pass die Westküste zu erreichen. Bei Regenwetter fahren wir vorbei am eigentlich auch türkisfarben schimmernden Lake Tekapo. Weiter durch die voralpinen Farmerstädtchen Fairlie und Geraldine – mit empehlenswerten Cafe-Locations – landen wir am frühen Abend in Spingfield, das nur 80 Kilometer vom Arthur’s Pass entfernt liegt. Hier übernachten wir in einem schönen Motel, mit einem riesigen Garten ganz für uns allein.

In der Nacht kündigt sich weiteres Unheil an: es gießt wie aus Eimern. Am nächsten Morgen scheint jedoch die Sonne und wir fahren guten Mutes ein Stückweit die Passtrasse, bis wir von Absprerrungen aufgehalten werden. Der Regen war so heftig, dass Murenabgänge den Weg versperren. Um an die Westcoast zu kommen, sind wir gezwungen etwa 200 Kilometer Umweg über den Lewis-Pass in Kauf zunehmen.  Auch dieser Weg ist mühsam: immer wieder passieren wir Absprerrungen, fahren durch frei geschobene Murenabgänge oder müssen kleine Umwege nehmen. Die Flüsse schwappen zum Teil bedrohlich auf die Fahrstrasse. Nach ca. vier Stunden erreichen wir endlich die ehemalige Goldgräberstadt Reefton (ca. 1000 Einw.), die zwar noch im Landesinneren liegt, aber schon zur Region Westcoast gehört. Sie hat sich (mindestens aus touristischen Motiven) einiges von ihrem Image bewahrt. Reefton war im Übrigen auch die erste Stadt in Neuseeland, die mit elektrischer Energie versorgt wurde (1888). Wir kehren im “The Broadway Tearooms and Bakery” ein und geniessen einige leckere Rolls and Pies. Dann noch ein kurzer Abstecher in einen der einladenden Second-Hand-Läden, in dem wir eine Original-LP “Peter, Paul und Mary in concert” aus dem Jahr 1960er Jahren erwerben (große Freude, denn es ist die heute seltene Aufnahme mit den ersten Konzertmitschnitten von 1964f.).

Die Fahrt führt uns weiter über das von Wasser überquillende Greymouth nach Hokitika.
Hier gibt es eigentlich alles, was das Touristenherz begehrt: einen Strand mit wunderschönen Steinen (zum Sammeln), einen Platz mit dem angeblich schönsten Im-Meer-versinkt die Sonne-Untergang in Neuseeland (wir hatten Glück mit dem Wetter und der Sunset war so grandios, dass eine Mitfotografin um ein Haar vor Lauter Knipsen fast ins Meer gefallen wäre), einen Minizoo mit echten Kiwis, die wir in der Dunkelheit beobachten können, und mit uralten, über 100jährigen Riesenaalen, die unsere Kinder füttern und streicheln dürfen, sowie eine Felsenschlucht mit Glowworms, die in der einsetzenden Dunkelheit eins nach dem anderen bläulich zu leuchten beginnen (wunderbar, und bitte gleich nach dem Sunset dorthin fahren!).
Auch rund um Hokitika gibt es viel zu entdecken, zum Beispiel ist die Gegend um den Hans Bay Lake mit Wasserfällen und Hängebrücke für einen Tagesausflug sehr geeignet.
Kräftig bewerben möchten wir das Hostel, das uns in Hokitika zwei Tage beherbergt hat. Es heißt Birdsong und wird von Neil und Kerry, zwei englischen Einwanderern, mit sehr viel Hingabe betrieben. Überragend ist der Blick aus der Gemeinschaftküche mit großem Fenster zum tosenden Meer. Nachmittags knüpft Kerry mit den Kindern aus Palmenblättern Kunstwerke und malt richtig schöne realistische Naturbilder – ein Erlebnis für sich.

Wir verabschieden uns Richtung Norden, nicht weit, und gelangen entlang der schroffen Westküste nach Punakaiki. Hier gibt es eine der größten touristischen Attraktionen der Südinsel: die Pankake Rocks, vom Meer durchspülte Kalkfelsen, die wie Pfannkuchen übereinander lagern. Zwischen den Rocks tun sich sogenannte “Blowholes” auf, durch die sich das Meerwasser nach oben peitscht – eine gewaltige Szenerie. Die Rocks sind über einen bequemen kurzen Wanderweg zu erkunden. Der benachbarte Truman Track führt uns nach 15 Minuten in eine bizarre Sand- und Felsenlandschaft, in die auf der einen Seite ein Wasserfall aus den Berg schiesst und auf der anderen das Meer wuchtet. Ganz in der Nähe des Tracks führen weitere Wanderwege in den bizarren Regenwald der Westküste. Für Liebhaber der besonderen Küche ist das “Pakake Rocks Cafe” zu empfehlen, das aus der Touristenattraktion gleich ein Menü gezaubert hat: Pfannkuchenberge mit Bananen, Schinken und leckerer Schokosauce. Vor dem Restaurant befindet sich eine Würstelbude, in der “Bratwurst mit Sauerkraut” auf der Speisekarte steht. Hinter der Theke bedient eine der zahlreichen “WorkandTraveller”, eine junge Frau aus Würzburg, die sich ihre Weltreise mit “zwichendurch Arbeiten” verdient. In Punakaiki gefällt es ihr besonders gut, bereits seit drei Monaten ist sie hier im Dienst. Die Bratwurst ist im Übrigen exzellent und für eine Speisegebühr von schlappen 9 Dollar (6 Euro) zu bekommen.

Punakaiki ist fast unsere Endstation. Wir sind nach gut sechs Wochen Reise gesättigt von all den Eindrücken, die uns das wunderbare Neuseeland beschert hat. Ein kurzer Abstecher bei Westport bringt uns noch nach Cape Foulwind, wo wir eine riesige Seehundkolonie beobachten können. Über Murchison fahren wir zurück in die Tasman Bay. In der Nähe unserer neuseeländischen Heimat Nelson schlagen wir zum Ausklang der Reise für drei Nächte im Mapua Leisure Park unser Zelt auf. Hier gibt es viel Platz, Sonne, einen tollen Pool mit Sauna, einen Beach mit Cafe und Ausblick, sowie einen Hafen mit Restaurants und Einkaufsläden gleich ums Eck. Das gegenüber liegende Rabbit Island mit seinem einladenden langen Strand und den praktischen Grillplätzen haben wir schon von Nelson aus ein paar Mal besucht. Es zeigt sich uns verändert: Sturm und Regen haben dort schwere Schäden angerichtet, wir beobachten, wie ein Teil des Waldes radikal abgeholzt wird.
Die letzte Entdeckung unserer Tour sind dann die Wasserquellen  im Riwaka-Valley unweit von Motueka. Kristallklarstes (gibt es den Superlativ überhaupt?) Wasser strömt aus den Felsen und fließt in einem wunderschönen Wald das Tal herab. Zwischendurch lädt der River immer wieder zum Baden ein.

Nach 41 Tagen Rundreise sind wir dann am 26. Januar zurück in Nelson und werden von unseren Freuden und Gastgebern Stephan und Melanie herzlich empfangen. Die beiden übergeben uns ihr Haus für die nächsten 10 Wochen, sie selbst die gehen nun das zweite Mal – mit ihrem unvergleichlich einmaligen, selbst ausgebauten Toyota Dyna Campervan auf Tour. Gleich am nächsten Tag startet für die Kinder die Schule, der “Alltagstrott”, sofern man unseren Aufenthalt in Nelson so einordnen kann, er beginnt jetzt wieder.

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Alexandra -meine Stadt!

Hier schreibt – wer sonst – Alexandra über Alexandra:

Wenn es schon eine Stadt gibt, die so heißt wie man selbst, muss man dort hin! Also auf nach Alexandra, sowieso praktisch auf dem Weg von Dunedin und der Ostküste nach Queenstown und in die Berge gelegen. Viele Neuseelandreisende kommen vermutlich auf eben diesem Weg durch Alexandra, und lassen die Stadt dann am Wegesrand liegen, ohne sich ihr näher zu widmen. Welch grober Fehler!

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Die Shaky Bridge über den Manuherikia River, eröffnet 1879

Denn Alexandra gehört nicht nur wegen des Namens zu meinen persönlichen Highlights unserer Neuseelandrunde: Es ist eine hübsche Stadt, mit einem fast südtirolerisch anmutenden Hinterland, in dem Obst und Wein gedeihen, inmitten von goldbraunen Bergen, deren Geheimnis sich erst bei genauerem Hinsehen – oder besser: hinschmecken – erschließt und einem überaus ansprechenden Gastronomie-Leben.

Im Lonely Planet findet Alexandra nur kurz Erwähnung wegen der umgebenden Mountain-Bike Strecken (Teil des Otago Rail Trails) und wegen der Möglichkeit, dort als Erntehelfer zu arbeiten. Nichts zu dem wunderbaren Bade-Fluss, über den sich eine alte Hängebrücke spannt, nichts zur Uhr, die mitten am Berg hinter der Stadt hängt, nichts zum Namen, der ja einigermaßen ungewöhnlich ist. Wie viele Städte haben schon einen Vornamen als Namen? Dieser bezieht sich übrigens auf Prinzessin Alexandra von Dänemark, die 1863 den zukünftigen britischen König Eduard VII heiratete und damit zur britischen Königin und Kaiserin Indiens wurde und die Urgroßmutter von Queen Elisabeth II ist. Ihr zu Ehren wurde die noch junge bis dato mehr oder weniger namenlose Goldgräberstadt Alexandra benannt.

Wir erwarteten nicht allzu viel, als wir eines Nachmittags dort eintrafen, und eigentlich nur eine Nacht dort verbringen wollten, um am darauffolgenden Tag nach Queenstown, bzw. Glenorchy weiter zu fahren, Neuseeland-Highlights, die wiederum in jedem Reiseführer als must-dos angepriesen werden (und zu denen wir dann letztlich gar nicht hingelangten…). Wir waren von der Otago Peninsula via Middlemarch angereist, denn unser „Hobbit-Locations“-Reiseführer hatte uns den Sutton-Salt-Lake-Track nahegelegt, und überhaupt die sogenannte Strath Taieri in Central Otago, die von der Rock-and-Pillar-Range dominiert wird. Diese Gegend zeichnet sich durch eine für Europäer absolut ungewohnte Weitläufigkeit aus, bei gleichzeitigem Fehlen von jeglichen Zeichen von Zivilisation. Das einzige, was die goldenen Hügel durchbricht, sind die unzähligen Schiefer-Formationen, „Schist-Tors“, die den Zwergen und Bilbo, dem Hobbit im „Hobbit“ Versteck bei ihrer Flucht vor den bösen Orks boten. Der Sutton-Salt-Lake-Track ist zwar kein Original-Drehort, aber landschaftlich absolut beeindruckend, und auch für Nicht-Mittelerde-Fans absolut faszinierend, eben weil so menschenleer. Umso erstaunlicher sind die kleinen Städte, auf die man auf dem weiteren Weg nach Alexandra passiert: Middlemarch, Hyde, und Ranfurly – ein Kleinod mit Art Deco Museum!

Sutton Salt Lake Track
Sutton Salt Lake Track

 

 

 

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Ranfurly Art Deco Museum

Und dann eben Alexandra: eingebettet zwischen braun-goldenen Hügel, an der Stelle, an der der Manuherikia-River in den smaraggrünen Clutha-River mündet, in denen beiden früher Gold geschürft wurde. So war auch Alexandra einst eine Goldgräber-Stadt, und rühmt sich außerdem als diejenige Stadt Neuseelands, die am weitesten vom Meer entfernt liegt, und daher das „kontinentalste“ Klima mit heißen Sommern und kalten Wintern hat. Passt zu mir!

Alexandra ist für Überraschungen gut:

Überraschung 1: Die Uhr am Berg

Es gibt da also diese Uhr: sie hängt am Stadtrand einfach inmitten der Hügel, riesengroß, so dass man sie nicht übersehen kann. In der Dämmerung beginnen die Zeiger zu leuchten, damit man auch nachts die Uhrzeit ablesen kann. Was es mit dieser Uhr auf sich hat, erfahren wir bei einem ersten abendlichen Stadtspaziergang, der uns über die „Shaky Bridge“ ins gleichnamige Weinlokal führt. Dort sitzt ein älteres Ehepaar aus England, das uns einlädt, doch einen der vorzüglichen Weine, die in Alexandra hergestellt werden zu probieren.

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Alexandra Mountain Clock, established 1968

Überraschung 2: Alexandra ist Weingebiet

Um Alexandra erstrecken sich vor allem die Pinot Noir Reben des Black Ridge Vineyard, dem südlichsten Weinanbaugebiet der Welt. Auch herrlicher Chardonnay und sogar Gewurztraminer (!) wird hier gekeltert.  Die Weine sind wirklich vorzüglich, ich probiere z.B. den Devils Backbone Pinot Noir

Der Blick in die Speisekarte und ein kurzes Gespräch mit der französischen Inhaberin lässt in uns umgehend den Wunsch entstehen, noch eine weitere Nacht in Alexandra zu verbringen, um am nächsten Abend im „Shaky Bridge“ einkehren zu können. Denn die Speisekarte liest sich vorzüglich, und die tollen französischen Gerichte aus heimischen Produkten sind es dann tatsächlich auch!

Überraschung 3: In Alexandra sind echte Gourmets daheim

Das sollte uns allerdings erst am nächsten Tag endgültig klar werden, zunächst waren wir ja noch dabei, das Geheimnis der Uhr am Berg zu enträtseln. Das englische Ehepaar, das ebenfalls bereits viel länger als ursprünglich geplant hier hängen geblieben war, hatte es herausgefunden: da die umliegenden Hügel über und über mit Thymian bewachsenen sind – englisch “thyme” – hatte sich die Stadt 1968 dazu entschlossen, dies auch bildlich darzustellen, und zwar mit Hilfe von „time“. Also deshalb die Uhr. Nun ja, nicht auf den ersten Blick ersichtlich, aber doch mal wieder eine typische Kiwi-Story.

Am nächsten Tag statten wir nach einer Wanderung vom ebenfalls sehr hübschen Nachbarort Clyde am farbintensiven Clutha River entlang auch der Uhr am Berg, der Mountain Clock dann natürlich einen Besuch ab. Ein kleiner Wanderweg führt direkt hinter die Uhr, und man sieht, wie groß sie tatsächlich ist. Weiter geht es zu einem Lookout, von wo aus ebenfalls Wanderwege starten. Wir gehen also ein kleines Stück durch bräunlich-vertrocknete Thymianwiesen und sind überwältigt vom Thymianduft. Was auf den ersten Blick etwas unansehnlich erschienen war, sind in Wirklichkeit tausende winziger Thymianblüten – was muss die Stadt zur Blüte für einen hübschen Anblick haben (und wie schön muss das dazugehörige Thyme-Festival im Frühling sein)! Dass der Thymian jetzt mitten im Sommer vertrocknet ist, hat den Vorteil, dass er einen unglaublichen Duft entfaltet. Wir brechen hin und wieder einige Zweige ab und nehmen sie mit. Seither würzen wir nicht selten unsere Gerichte mit reichlich Thymian, wozu wir die trockenen Zweige einfach über dem Topf/der Pfanne etwas „auswringen“. Ich hätte noch Stunden durch die Thymianberge weiterlaufen können, aber wir wollen ja noch in der Shaky Bridge einkehren. Und danach im Manuherikia-Fluß baden…

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Und am liebsten wäre ich noch viel länger hier geblieben! Also bittesehr: Alexandras Geheimtipp für alle Neuseelandreisenden – Alexandra 🙂

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40 Tage auf Tour durch Neuseeland – Stationen unserer Reise

Unsere Erkundungstour durch Neuseeland haben wir genau in die “Mitte” unseres halbjährigen Aufenthalts gelegt: in die großen Ferien, vom 17. Dezember 2016 bis zum 26. Januar 2017.  Die Reiseroute folgte diversen Handreichungen (vor allen denen von Hans Klüche und dem Lonely Planet), den Tipps auf den Blogs/Facebookseiten der Weltwunderer und 360Grad-Neuseeland, Empfehlungen (vor allem von Stephan Gilberg und Melanie Gaskin), dem Wetterbericht und den geöffneten Pässen, sowie unserer Neugier.  Außerdem hatten wir uns vorgenommen, möglichst immer mindestens zwei Nächte an einem Ort zu verbringen, um nicht jeden Tag den „Packwahnsinn“ zu haben (über das Verreisen mit mehr als Siebensachen gibt es demnächst mehr…).

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Leider hatten wir das „Pech“ (jaja, es ist Luxusjammern…), einen recht kühlen und regnerischen Sommer für unsere Reise erwischt zu haben, in der es keine einzige beständige Schönwetterperiode gab. Wir hatten daher nicht zu viel im Voraus geplant, um flexibler den diversen Tiefdruckgebieten ausweichen zu können – mit sechs Personen vielleicht etwas gewagt, aber es hat gut geklappt – dank diverser Reiseplanungs-Apps, z.B. von bookings, AA, trivago oder CamperMate.

Dies ist eine Übersicht zu den einzelnen Stationen unserer Reise, die ausführlichen Reiseberichte gibt es hier:

Nordinsel – Teil 1

Nordinsel – Teil 2

Südinsel – Teil 1

Südinsel – Teil 2

Es ergab sich folgende Route, die etwas Zickzack verläuft und sicher niemals in einem Reiseführer empfohlen werden würde – nach dem Motto: die Schön- und Besonderheiten des Landes erleben dürfen, aber nie mehr als einen Regentag aushalten müssen !

Tag 1: START: Nelson – Wellington: Interislander Ferry, Wellington-Sightseeing: Te Papa, Cuba Street

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Tag 2: Wellington – Paraparaumu: Mt. Victoria, Weta Cave Miramar, Paraparaomu (Kapiti Coast)

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Tag 3: Paraparaomu – Turangi: Desert Road

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Tag 4: Turangi: Tongariro NP (Mead Wall, Taranaki Falls Track)

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Tag 5: Turangi – Rotorua: Lake Taupo, Huka Falls, Wai-o-tapu

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Tag 6: Rotorua: Redwood Forest, Blue and Green lakes

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Tag 7: Rotorua – Hahei: Hobbiton, Ankunft in Hahei mit Delfinen am Strand…

Hobbiton

Tag 8: Hahei: Hl. Abend! Flaxmill Bay and Cathedral Cove

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Tag 9: Hahei: Christmas at the beach!

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Tag 10: Hahei: Hot Water Beach, Cook Beach, Hahei Beach

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Tag 11: Hahei – Cambridge: A last game of Kubb at Hahei Beach before back inland again…

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Tag 12: Cambridge – New Plymouth: Waitomo Cave, Waterfall and Stone Bridge, Three Sisters Rocks, Festival of Lights

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Tag 13: New Plymouth: Puke Ariki Museum, Te Rewa Rewa Bridge

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Tag 14: New Plymouth – Wellington: Whanganui, Oriental Parade Beach in Wellington

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Tag 15: Wellington – Nelson: Interislander Ferry through Marlborough sounds with wild sea… New Years Eve!

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Tag 16: Nelson: New Year Celebration with Pavlova (thank you Melanie 🙂

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Tag 17: Nelson – Hanmer Springs: Lewis Pass

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Tag 18: Hanmer Springs – Christchurch: Hot Springs, Cardboard Cathedral and 185 Empty Chairs Memorial

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Tag 19: Christchurch – Mt. Potts Lodge: Through Christchurch by Tram, Canterbury Museum

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Tag 20: Mt. Potts Lodge: Mt. Sunday („Edoras“)
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Tag 21: Mt. Potts Lodge – Christchurch:

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Tag 22: Christchurch: City Sightseeing, Botanic Garden, Quake City, Re:start Mall

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Tag 23: Christchurch – Oamaru: Steam Rail Ride, Blue Penguin Colony

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Tag 24: Oamaru – Hampden: Elephant Rocks, Moeraki Boulders

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Tag 25: Hampden: Moeraki Boulders, Seals and Penguins (this time yellow eyed penguins…)

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Tag 26: Hampden – Dunedin: City Sightseeing, Baldwin Street

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Tag 27: Dunedin – Portobello (Otago Peninsula): Tunnel Beach, St. Clairs, Allens Beach

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Tag 28: Portobello: Albatross Center, Otago Museum

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Tag 29: Portobello – Alexandra: Sutton Salt Lake Wanderung (Hobbit-Location)

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Tag 30: Alexandra: Clytha-River Track, Thyme Track, Swimming in the river and having dinner at best restaurant of the whole trip: The Shaky Bridge

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Tag 31: Alexandra – Glentanner Camp: Via Lindis Pass to Twizel and Lake Pukaki

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Tag 32: Glentanner Camp: Wanderung Tasman Glacier Lake, Hooker Valley Track

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Tag 33: Glentanner Camp – Springfield: Lake Tekapo (while raining cats and dogs), Geraldine

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Tag 34: Springfield – Hokitika: wanted to go via Arthur’s Pass – but it was closed because of slips… so again via Lewis Pass…

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Tag 35: Hokitika: Kiwi-Center, Hokitika Gorge, Lake Kaniere mit Dorothee Fall, Glowworm Dell and best hostel with nicest hosts ever: Birdsong

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Tag 36: Hokitika – Punakaiki: Truman Track and Pancake Rocks

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Tag 37: Punakaiki: Pororai River Track (while raining cats and dogs), Pancake Rocks high tide, Glowworms in Punakaiki Cavern

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Tag 38: Punakaiki – Mapua: Seal Colony at Cape Foulwind

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Tag 39 – 41: Last Stop Mapua: Cafes, Pool, Riwaka Resurgence

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Tag  41: Mapua – Nelson – THE END

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Über die Highlights ist sich die Familie verständlicherweise nicht einig, auch wenn es durchaus Spitzenreiter gibt und zwar:

  • Diverse Küsten mit diversen Tieren oder spektakuläre Wanderungen:

Tiere in freier Wildbahn zu beobachten lässt die meisten Herzen höher schlagen, so auch bei uns: Delfine, Pinguine, Glowworms und immer wieder Robben in allen Varianten, sowie Kiwis und (Bens und Carls Lieblinge) Riesenaale.

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  • Hobbiton:

Für Mittelerde-Fans definitiv der Place-to-be, und auch für „normale“ Leute sicher eindruckvoll, wie unglaublich idyllisch ein Ort sein kann.

  • Weihnachten in Hahei:

Hahei war für uns fast wie ein paradiesischer Südsee-Traum: warme und windstille Nächte im Zelt direkt am Strand, sonniges Wetter, kristallklares Wasser mit gleichmäßigen Wellen, rotblühende Pohutukawa-Bäume, und aufregende Felsen, ein tolles Restaurant und eben Weihnachten…

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Außerdem gab es noch ein paar Überraschungen, wie die kleine, aber feine Stadt Alexandra in Central Otago, die überwältigend einsame Mt. Potts Lodge, das 20er Jahre-Museum mit Ida in Ranfurly oder der Ferienausklang „ums Eck“ im wunderschönen Mapua, sowieso einer unserer Herzensorte… Und am allerliebsten mögen wir Sunny Nelson 🙂

Abendstimmung am Tahuna-Strand
Abendstimmung am Tahuna-Strand

Wir haben viel gesehen und erlebt, tolle Orte entdeckt, feinst gespiesen, gezeltet, gelacht, geflucht, und vor allem viele Menschen getroffen, die spannende Geschichten zu erzählen hatten. Das ist das allerschönste am Reisen!

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Wenn nur nicht das Auspacken wäre…
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Der “Kiwi-Blend” – Reise durch die Südinsel (1)

(chr) Die entscheidende Frage vor der Umrundung und Durchquerung der Südinsel Neuseelands lautet: „So rum oder so rum?“ Gemeint ist die Routenführung, die zunächst vorbei an der Westküste und dann durch den Osten der Insel zurück oder eben andersherum erfolgen kann. Wir entschieden uns für andersherum, weil uns die Einheimischen in Aussicht stellten, dass im Hochsommer (also gegen Ende unserer geplanten Tour) an der Westküste stabileres Wetter vorherrschen würde. Der Westen der Südinsel ist ja eine der regenreichsten Regionen der Welt, und ein Tag mit purem Sonnenschein ist wirklich eine Ausnahme. Der Osten hingegen ist viel trockener, da sich die Wolken spätestens an der zentralen Alpenkette erst einmal abregnen. So führte uns unser Weg zunächst in den Badekurort Hanmer Springs, 300 Kilometer oder fünf Autostunden südöstlich von unserem Ausgangspunkt Nelson entfernt. Der Weg dorthin ist zum Teil sehr gebirgig, zieht sich durch bizarre Flusstäler, Wälder und Hügellandschaften. Mittendrin gibt es das „Unterzentrum“ Murchinson, das vielleicht 500 Einwohner hat und das dortige „Rivers Cafe“, das die Durchreisenden magnetisch anzieht. Und zwar so, dass die Wartezeiten auf die Gerichte unsere Zeitplanung an diesem Tag doch sehr durchkreuzten. Wir fuhren also unverrichteter Dinge weiter. Bis Hanmer kommt dann nur noch eine Versorgungsstation in Springs Junction, nach weiteren 100 Kilometern. Hier wurden wir in einem „indisch“ betriebenen Restaurant verpflegt, Einwanderer aus Indien gibt es zahlreiche im Land, sie arbeiten vor allem in der Gastronomie und tragen zur weiteren Internationalisierung der heimischen Küche bei („Pie Satay“). Die Abstände zwischen den Ansiedlungen sind auf dieser Strecke wirklich enorm, und mal eben einen Liter Milch holen geht einfach nicht. In Hanmer Springs selbst entsteht leicht das Gefühl, sich in einer Oase der Langsamkeit und Bedächtigkeit zu bewegen. Es gibt die große geothermische Badelandschaft mit müde machendem warmen, heißen und sehr heißen Mineral- und Schwefelpools, dazu ein echtes Schwimmbecken und einige Rutschabfahrten für die Kinder. Das Bad fasst wirklich viele Menschen und obwohl wir an einem der meistbesuchten Tage vor Ort waren, hatten wir nicht das Gefühl des Sichaufdiefüßetretens.
Nach einer Übernachtung in einem Motel ging es eine gute Stunde Autofahrt weiter nach Christchurch, der größten Stadt der Südinsel. Christchurch hat uns massiv beeindruckt, dazu gibt es einen eigenen Blogartikel. Genauso zum „Mittelerde-Hotspot“ rund um den den Mount Sunday (Edoras), der zwei Stunden westlich von Christchurch in einer aufregenden Gebirgswelt eingebettet ist.

Der Weg von Christchurch in den Süden entlang der Ostküste gestaltet sich bayrisch formuliert zunächst etwas „fad“. Ein flacher Küstenweg mit Farmland und kleineren Ortschaften links und rechts erstreckt sich entlang des Highways, ab und zu erblicken wir in der Ferne Umrisse von grau-braunen Hügelketten. Das ändert sich erst kurz vor Timaru, einem kleinen Küstenstädtchen, das durch Beispiele „italienisch“ anmutende Architektur im Ortszentrum auffällt. Einige Kilometer weiter südlich in Oamaru wähnen wir uns dann irgendwo zwischen Pisa und Florenz, hier waren die Immigranten offenbar große Anhänger des Neo-Klassizismus. Säulen und dicke Steinquader prägen das Bild der „Altstadt“, die natürlich gerade mal gut 150 Jahre alt ist. Mit einer heute dieselbetriebenen ehemaligen Museums-Dampfeisenbahn fahren wir zum Hafen hinunter und gleich wieder zurück. Die zwei Strassen der Altstadt sind heute ein Ausflugsziel mit Eisdiele, Cafes und Andenkenshops. Wolle wird hier nicht mehr umgeschlagen. Unsere Unterkunft ist diesmal in einem „Backpacker“ mit dem schönen Namen „Chillawhile“. Es hat sich auf „Kunst“ spezialisiert, unsere (kleinen) Kinder malen begeistert einige größere Acrylbilder, die wir als Andenken wohl über den Ozean mit nach Hause nehmen werden (wie auch immer). Eine biologische Besonderheit sind die blauen Pinguine, die sich hier in Oamaru in einer Bucht angesiedelt haben, nachdem ihnen entsprechende Brutmöglichkeiten geschaffen wurden. Um die Bucht herum wurde eine Art „Obeservationsstadion“ gebaut, von dem aus wir bei Sonnenuntergang mit etwa 100 weiteren Interessierten die etwa ein Kilo leichten, kleinen Pinguine beim Heimkommen vom täglichen Meeresausflug bestaunen können (gegen Eintritt). Die Pinguine sammeln sich zunächst in „Kollektiven“ in der Nähe des Strandes auf dem Meer und betreten dann in geschlossener Formation ihre „Homebase“. Das sieht sehr sehr lustig und unfassbar niedlich aus.

Kurz hinter Oamaru biegen wir ab und fahren etwa 30 km ins Landesinnere: schon nach kurzer Zeit umgeben uns satte, beweidete Wiesen-Landschaften, zum Teil merkwürdig gerundet, geschliffen und geformt und von felsigen Rissen durchzogen. Es gibt einzelne Höfe entlang der Straße, Gegenverkehr nehmen wir eigentlich gar keinen wahr. Unser Ziel sind die „Elephant rocks“, karstige Steinfelder auf einer großen Schafweise. Die bis zu 10 Meter hohen Felsen sind Erscheinungen der Landhebungen der vergangenen Erdzeitalter. Sie „stehen“ in der Landschaft als Zeugnisse der Erdgeschichte, sind als ein geologisches Paradies und offenbar auch für Reisende wie uns eine Einladung zum Fantasieren, Klettern, Austoben. Auch in den Rocks sind wir so gut wie allein. Da sie abseits der Hauptrouten zu finden sind, kommen nur wenige Neugierige an diesem Ort vorbei.
Noch werkwürdiger erscheinen uns dann die absolut runden (Halb-) Kugeln, etwa 50 km weiter südlich, direkt an der Küste bei Moeraki am Strand im Sand liegend. Sie entstehen aus Tonstein und werden im Laufe der Zeit von den Meeresfluten sukzessive aus der Küstenlinie gespült. Die Moeraki Boulders sind berechtigterweise sehr populär, denn solche geologischen Formationen finden sich nur hier und in wenigen anderen Weltregionen.
Die Gegend um Moeraki ist zudem ein Tummelplatz für Seehunde (Kekenos) und die seltenen gelbe Pinguine. Auf einem Klippenareal haben zwei Naturfreude seit den 1980er Jahren ein Naturreservat geschaffen, das auf beide Tierarten sehr einladend wirkt. Wir streifen in den Abendstunden durch diese besondere Landschaft und kommen sowohl den Kekenos wie auch den Pinguinen sehr nahe. Uns gefällt, wie gelassen und entspannt sie sich beobachten lassen.
Unser Nachtlager schlagen wir in einer 6-Bett-Hütte auf einem schönen Strand-Campingplatz in Hampden, fußläufig zu den Boulders, auf. Dieser Platz wird seit etwa neun Jahren von einem netten schweizer Paar betrieben. Die Anlage eignet sich sehr für Familien mit Kindern, ein großes Spielfeld in der Mitte des Platzes sorgt für viel Abwechslung. Gleich in der Nähe des Campingplatzes finden wir das wunderbare “Vanessa’s Cottage Cafe“, das mit seinem superleckeren Pies, Rolls und Chips für zwei Tage zu unserer Versorgungsstation wird.


Unsere Ostroute führt weiter ins ca. 80 km weiter südliche Dunedin, der ehemals größten Stadt Neuseelands, heute mit ca 120.000 EInwohnern. Hier siedelten nach den Maoris bereits sehr früh Einwanderer aus Schottland, und genau dies, „das Schottische“, macht sich zumindest in der Architektur der Innenstadt (z.B. Bahnhof, Universität, Rathaus) und in den zahlreichen „schottischen“ Pubs und Bars bemerkbar. Dunedin lädt zum Vergleich mit Edinburgh ein. (der Namensteil “Dun” ist eine gälische Ableitung von “burgh”). Die Stadt ist die „Metropole“ des Süden der Südinsel und hat die älteste neuseeländische Hochschule mit sehr gutem Ruf, die Otago University. Eine Mitarbeiterin der Universität, die wir im Juni in Deutschland kennen gelernt haben, hat uns eingeladen, bei ihr zu übernachten. Große Freude! Denn sie und ihre Familie sind ausgesprochen herzlich und gastfreundlich. Sie wohnen in einer historistischen Villa mit einem Riesengrundstück an einem der vielen Hänge Dunedins. Die Gastgeberin erzählt uns, dass die Universität heute sehr modern dastehe, allerdings zunehmend wegen der vielen neuen und renovierten Gebäude. Am Personal, vor allem in den Geisteswissenschaften, werde unglücklicherweise gespart. Wie nehmen und Zeit für einige touristische Attraktionen: wir begehen die steilste Straße der Welt, die wirklich äußerst steil ist, und parken unser an sich sehr zuverlässiges Auto (das ja schon mal Kühlerprobleme hatte) lieber am Fuß der Straße. Einige Mutige fahren mit tiefergelegtem Chassis bis zum „Gipfel“, den wir als alpenerfahrene Gesellen zu Fuß nur etwas mühsam erklimmen.  Danach fahren wir um den großen Hafen herum zu einen bildschönen Strand St. Clair, der sogar eine Uferpromenade hat, was in Neuseeland sehr selten ist. Und noch ein Stück weiter zu dem spektakulären „Tunnelbeach“, an den der Pazifik mit beeindruckender Wucht seine Wellen schlägt und sich faszinierende Felsskulpturen geschaffen hat. Zu einer der Felsbuchten führt ein Tunnel, das erklärt den merkwürdigen Ortsnamen.


Unsere letzte Station an der Ostküste ist die Dunedin vorgelagerte Otago Peninsula. Eine hügelige Halbinsel, die sich etwa 30 km nach Osten erstreckt. Wir steuern unser Auto zunächst über den Inselkamm und erreichen den Sandfly-Beach, eine gewaltige Dünenlandschaft. Von dort aus geht es auf einer schmalen Küstenstrasse, die direkt und ohne Begrenzung an der Wasserkante entlangläuft, nach Portobello. Am nächsten Tag entdecken wir entlang dieser Straße ein Fahrzeug, das wohl die enge Begrenzung nicht einhalten konnte und mit der Nase im zum Glück sehr niedrigen Meeresboden steckt. Portobello umfasst einige (Ferien-) Häuser, drei Cafes und Restaurants, eine Eisdiele, die riesige Portionen ausgibt, dann einen Friedhof, eine Schule mit Schwimmbad und einen kleinen Einkaufsladen. Wasserkantenidylle pur also. Dazu gibt es noch einen schönen Campingplatz, auf dem wir in einer Hütte übernachten. Von Portobello zieht sich eine etwa 10 km lange Schotterstraße an den „Allan’s-Beach“, dem wir bei untergehender Sonne einen Besuch abstatten. Der Strand hat es in sich: feindsandig, weitläufig, großzügig, fast menschenleer – dafür der Siedlungsplatz zahlreicher Seelöwen, die dösend auf einigen Felsen liegen. Wir sollen ihn nicht zu nahe kommen, denn sie können zu eher ungemütlichen Zeitgenossen werden, ein Fotoabstand von 10 Meter wird angeraten. Wir halten uns soweit wie möglich daran (durch ihre Tarnfarbe sind sie leicht zu übersehen) und beobachten die Tiere aus respektabler Distanz, wie sie sich bisweilen ein wenig linkisch drei oder vier Schritte fortbewegen. Kaum vorstellbar, dass sie uns flink verfolgen sollen können.
Die Attraktion der Halbinsel ist das an der Ostspitze gelegene Albatros-Zentrum. Es  beherbergt eine sehr gute Infoschau und bietet Zugang zum umzäunten Areal, auf dem die Albatrosse leben und brüten. Wir scheuen uns, eine geführte Wanderung zu den Riesenvögeln mitzumachen. Die Preise erscheinen diesmal einfach nicht angemessen. Die Albatrosse zeigen sich uns dennoch: wir sehen sie mit Unterstützung unseres Fernglases, wie sie etwas ungelenk mit weiten und langsamen Schwüngen die Küste ansteuern und sich niederlassen. Die Spannweite ist ja mit bis zu drei Metern wirklich beachtlich.
Unser letztes Frühstück in Portobello verbringen wir im schönsten Cafe des Ortes, dem “Penguin Cafe“. Die dortige einheimische Betreiberin ist sich sicher, dass Portobello ein schottischer Name ist. Wir wollen ihr dies gar nicht glauben und verweisen auf Bella Italia, doch tatsächlich handelt es sich ursrpünglich um einen Hafen in der Nähe Edinburghs. Und was die Vielefalt der Einflüsse aus aller Welt auf die “heimische” Kultur noch deutlicher macht: nebenan im “Meet-the-locals-Restaurant” gibt es einen “typischen” Kiwi-Blend: leckere Pizza mit Cranberrypürree (statt Tomatensauce), Aprikosenstücken und Chicken.

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Crazy Christchurch und der Re:start einer ganzen Stadt

Hier schreiben Alexandra und Christoph:

Beinahe hätten wir Christchurch von unserer Reiseroute gestrichen! Was für ein Glück, dass wir Freunde dort treffen wollten, und so eine Nacht in einem Motel im Stadtteil New Brighton buchten, der vom großen Erdbeben 2011 besonders betroffenen war. Unser erster Kontakt mit der Stadt sorgte sofort für eine tiefe Zuneigung: wir trafen uns an der Cardboard-Cathedral, einer aus Pappe und Plastikröhren von einem japanischen Künstler gestalteten Kirche, die als Ersatzbau für die zerstörte Kathedrale errichtet wurde. Dahinter ein bewegendes Denkmal, das an die Verstorbenen erinnert: 185 „empty chairs“ symbolisieren die Opfer, die das Erdbeben vor allem in einer Sprachschule und in einem Hotel gefordert hatte. Beide Gebäude stürzten einfach in sich zusammen. Eine Infotafel erklärt, dass man sich durchaus auf den Stühlen niederlassen dürfe, um innere Zwiesprache zu halten. Wir hatten ja erst vor wenigen Wochen selbst ein Erdbeben erlebt, wenn auch vergleichsweise harmlos und ohne gravierende Folgen. Jedoch wurde uns unmittelbar deutlich, welche Kräfte inmitten des pazifischen Ring of Fire wirken, und wie schwach und anfällig menschliche Bauwerke demgegenüber sind.

In Christchurch hatte das Beben vom Februar 2011 etwa 80% der Innenstadt so stark getroffen, dass die Stadt immer noch wie nach einem Krieg wirkt. Etwas mehr als 1400 Gebäude wurden beschädigt oder zerstört. Viele Gebäude mussten seither mühsam auf Schäden untersucht und abgerissen bzw. abgetragen werden. In manchen fand sich Asbest, so dass sich der Abriss verzögerte, es gibt bis heute Streitigkeiten mit den Versicherungen und Behördenchaos. So kommt es, dass rund 6 Jahre „danach“ immer noch große Teile der Innenstadt aus Ruinen, Baukränen und Schutt bestehen. Und dazwischen Kunst, Kultur und Kulinarik. Wir sind bereits am ersten Abend tief beeindruckt, wie nah hier in Christchurch Zerstörung und Neuanfang beisammen liegen. Unser netter Gastgeber in der Unterkunft „Sandy Feet Hotel“ erklärt, dass er das Motel in einem ziemlich maroden Zustand erst im vorigen Jahr übernommen und renoviert hätte. Seither kommen immer mehr Menschen, seine Unterkunft ist ziemlich gut gebucht. Unsere Absicht, den Aufenthalt um einen Tag zu verlängern, kann er leider nicht erfüllen. Am nächsten Tag schüttet es wie aus Kübeln, was für unsere Tramrundfahrt durch die Innenstadt nicht allzu schlimm zu sein scheint. Der Tipp unseres Hosts war nämlich, erst einmal eine Runde zu fahren, sich zu merken, wo man aussteigen möchte, und dies dann beim nächsten Turn auch zu tun. Das Gute an der Tram in Christchurch ist nämlich, dass man mit einem Ticket „hopp on and off“ machen kann, und das den ganzen Tag.

Was uns abgesehen vom Charme der historischen Wagen begeistert, ist die Trambahnfahrerin. Sie kommentiert während der gesamten Fahrt auf witzige Weise, was wir sehen und woran wir vorbeifahren: dass es jetzt dank des Bebens ca. 900 statt 700 Parks und Grünanlagen in der Stadt gibt, dass zahlreiche „gap filler“  – Lückenfüller in Form von verschiedenen Kunstinstallationen – den Transitcharakter Christchurchs markieren, und dass man unbedingt noch einmal die „Re:start Mall“ besuchen sollte, eine Art Freiluftshoppingmall bestehend aus bunt bemalten Schiffscontainern. Diese sollen im Herbst 2017 (also etwa im März) verschwunden sein, denn dann wird die neu errichtete Mall eröffnet. Die Tramfahrerin sagt dies nicht ohne Wehmut, klar, denn langsam wird Christchurch wieder zu einer „normalen“ Stadt, was seinen Charme sicher verändern wird. Später erzählt uns die Mitarbeiterin eines Ladens, dass wir sowieso nur noch die Reste der Schiffcontainer-Mall sehen würden, die meisten seien schon wieder in „feste“ Gebäude umgezogen. Sie hatte damals, als das Beben die Leute um die Mittagszeit überraschte, glücklicherweise gerade ihren freien Tag. Angst vor weiteren Beben habe sie nicht, damit würde man als Kiwi schließlich groß werden. Und sie liebt Christchurch trotz allem sehr. Umso größer ihre Freude, als wir ihr gestehen, dass wir ihre Stadt auch gerade wegen ihres „transition characters“ so sehr ins Herz geschlossen hätte.

Eine weitere Glücksgeschichte gibt die Trambahnfahrerin zum Besten, als wir an den kleinen Food-Carts am Cathedral Square vorbeirattern, dem Platz, an dem immer noch die halbkaputte Kathedrale im neogotischen Stil auf die Entscheidung wartet, ob sie wiederaufgebaut oder ihre Reste abgerissen werden sollen. Die hier schon seit vielen Jahren ansässigen Food-Carts seien an genau zwei Tagen im Jahr nicht hier: an Weihnachten, und an einem Tag im Februar, an dem sie bei einem großen Musikfestival das Catering machen. Der Tag des Bebens war just der Tag des Musikfestivals, und hat den Betreibern und ihren Wägen das Leben gerettet.

So begleitet das Thema Erdbeben natürlich unseren kurzen Besuch in Christchurch, und als wir am Nachmittag ins Gebirge, zur Mt. Potts Lodge, aufbrechen, sind wir ein wenig traurig, dass wir dieser starken Stadt nicht noch mehr Zeit widmen konnten. Wir beschließen, umzudisponieren, und nach zwei Tagen in den Bergen noch einmal hierher zu kommen.

Bei unserem nächsten Besuch quartieren wir uns im Stadtteil Riccarton ein, der direkt an den Botanischen Garten grenzt, durch den wir bequem in die Innenstadt laufen können – natürlich nicht ohne jeden der riesigen und exotischen Bäume einzeln bestaunt zu haben. Derweil sich ein Teil der Familie in der hervorragend gemachten Ausstellung „Quake City“ noch ausgiebiger über das große Beben informiert, bleiben Alexandra und Benjamin im Park, und genießen den wunderbaren Spielplatz mit dazugehörigem Mini-Pool. Überhaupt Spielplatz: auch einer der größten Spielplätze der Welt ist in Christchurch zu finden, er wurde den Kindern der Stadt nach dem Beben von einer privaten Mäzenin gestiftet. Unsere beiden Jungs sind begeistert…

Der eindrücklichste Gapfiller ist der „Dance-O-Mat“ auf einem Platz zwischen Ruinen, der von vier Lautsprechern umrahmt wird. Dessen Herzstück ist eine alte Waschmaschine, die zu einer Art Jukebox umfunktioniert ist, die man mit der eigenen, auf Handy oder iPod mitgebrachten Musik eine halbe Stunde für zwei Dollar betreiben kann. Und dazu tanzen… ein in Christchurch offenbar gestrandeter Stadtstreicher aus Manchester dreht andächtig seine Breakdance-Runden zu unserer Lykke Li-Musik, auch einer, der offenbar auf einen Neuanfang wartet, und so lange das Beste aus seiner Situation macht.

Es ist, als würde uns die Stadt einladen, uns trotz ihres Aussehens an jeder Stelle wohlzufühlen, das neuseeländische „Enjoy!“ wird den Ruinen entgegengesetzt. „Everything is going to be allright“ prangt in bunten Leuchtbuchstaben an der modernen, gläsernen Art Gallery, die zwar äußerlich keine Schäden abbekommen hatte, deren Fundament aber so beschädigt wurde, dass das Gebäude komplett abgehoben und von unten verstärkt werden musste.

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Coolness, Vintage und Vulkane: Reise durch den Norden (1)

rauchende-vulkane

(Chr) Sommerferien! Und das von Mitte Dezember bis Ende Januar. Ein Gefühl, das für uns zweifellos ungewöhnlich ist. Die kalte Jahreszeit vermissen wir bis jetzt kaum, obwohl wir eigentlich zum Teil echte Winterfans sind. In den großen Ferien scheint nun (noch) öfter die Sonne, was sehr angenehm ist. Auch die kalten Nächte werden deutlich weniger, der Holzofen kann aus bleiben.
Wir (und die Kinder natürich frisch frisiert….) packen unsere Sachen und brechen – wie geplant – zu unserer sechswöchigen Expedition durch Neuseeland auf. Dabei sind wir in guter Gesellschaft mit (Hundert-)Tausenden von Kiwi-Touristen und unzähligen Urlaubern aus Übersee. Nach der Landwirtschaft ist der Tourismus Neuseelands wichtigster Wirtschaftszweig. Statistiken sagen,  dass jährlich etwa 6 Millionen auswärtige Menschen das Land bereisen – die meisten davon sind in den Sommermonaten Dezember bis Februar unterwegs. Außer europäischen und amerikanischen Gästen erkunden zunehmend asiatische Touristinnen und Touristen das Land (vor allem aus Japan, China, Südkorea, Indien). Das Treiben auf den Verkehrswegen und an den HotSpots des Landes nimmt im Sommer deutlich zu, auch wenn uns das Land immer noch sehr “leer” vorkommt. Wir haben es ein wenig versäumt, Unterkünfte “ordentlich” voraus zu buchen. Das erschwert ein wenig das Finden, zumal wir ja mit sechs Personen unterwegs sind. Aber es funktioniert!
Unser Plan sieht vor, die Nordinsel zwei Wochen zu bereisen, und uns dann weitere vier Wochen auf der Südinsel umzutun. So lang sind wir noch nie gemeinsam unterwegs gewesen, spannend und herausfordernd zugleich, zumal wir ja als “Reisegruppe” durchaus unterschiedliche Interessen vereinen…
De erste Station ist der Fährhafen im idyllischen Picton. Von hier aus geht es in einer dreieinhalbstündigen Schifffahrt durch die wunderschönen Marlborough Sounds hinüber zur Hauptstadt Wellington. Diese gilt auch als “Capital of Coolness”, was sich bei unserer ersten Begehung als angemessene Zuschreibung erweist. Wir sind nahe der “Cubastreet” einquartiert, in deren Umkreis sich Hippieläden und exotische Restaurants abwechseln. Junge Menschen unterschiedlichster Herkünfte bestimmen das Strassenbild. An vielen Ecken sind deutschsprachige Wortfetzen zu hören. Die Cubastreet endet im Hafenviertel der Stadt. Hier wirkt alles sehr neu gemacht: Wellington ist ja schließlich auch Regierungssitz und Handelsmetropole und glänzt mit einer kleinen Skyline, die sich irgendwie auf sehr engem Raum zusammenquetscht. Auch die Filmindustrie hat in Wellington ihr Zentrum (wobei sich Herr der Ringe-Regisseur Peter Jackson immer wehrt, die Stadt volksmundisch in “Wellywood” umzutaufen). Wie besichtigen das mächtige Nationalmuseum “Te Papa”, eine Mixture aus Naturkunde, Ethnologie und Geschichte, sehr modern aufbereitet. Und sehr beeindruckend. Auf dem Dach des Museums ein Rundumblick auf die untere Stadt. Imposant wird die Szenerie dann aber am Mount Victoria: ganz oben auf einem Hügel am Rande des Zentrums von Wellington befindet sich ein Aussichtspunkt mit Rundumblick über alle Stadtteile.
Unsere Herberge ist in einem Hostel, das erste, was wir überhaupt mit Kindern kennen lernen. Sehr buntes Treiben und viel Gewusel, Deutsch ist hier zweite Amtssprache. Ein 6-Bett-Zimmer, mit Küchenzeile und recht großem Bad. Passt schon für die erste Nacht. Wir werden Wellington schon am nächsten Tag verlassen, für die Rückreise ist ein weiterer Aufenthalt vorgesehen.

Der nächste Tag führt uns etwa 50 Kilometer weiter nordwestlich an die Kapiti Coast in einem Ort namens Paraparaumu, wo wir einen Kollegen und seine Frau von der Wiesbadener Volkshochschule treffen. Für alle, die jetzt fragen, wen denn: es kommt zur ersten erfreulichen Begegnung der (K)Carls. Die Kapiticoast ist eine ziemlich wilde Küste mit unendlich viel Schwemmholz. Der Tag wird sehr stürmisch und wir kämpfen uns durch den Südwind zu einem wunderbaren Cafe, das “Marine Parade Eatery”….” heisst und leckerste kleine Gerichte und Kuchen anbietet (nur als kleiner Sidekick: Christoph ist ausschliesslich wegen der Cafes in Neuseeland, Alexandra wegen Hobbiton). Unsere Unterkunft diesmal: ein echter 80er Jahre-Vintage-Campingplatz, der von einem etwa mürrischen Betreiber unterhalten wird. Hier verteilen sich ca. 40 Stellplätze ordentlich in Reih und Glied. Internet gibts keins, ist ja schliesslich wie in den 80ern. Zu jedem Platz gehört ein kleines grün bemaltes Badhäuschen. Dieses erweist sich als äußerst vorteilhaft, denn es erspart uns längere Gehwege zu irgendwelchen zentralen Toilettenanlagen, nicht unwichtig, denn in der Nacht schüttet und stürmt es, und unser neues 6-Personen-Zelt muss eine echte Bewährungsprobe bestehen. Gelingt aber. Alle, bis auf die Gepäckstücke im Vorzelt, blieben trocken. Auf dem Campingplatz leben zunehmend mehr Dauergäste. Eine von ihnen erzählt mir, dass immer mehr Kiwis ihre Häuser verkaufen, sich auf Campingplätzen “downsizen” und ihr Erspartes anderweitig verwenden (müssen). Und dies trotz einer Grundrente, die bei etwa 1200 Euro liegt. Der Ort selbst ist nicht besonders schillernd. Er beherbergt ungefähr 5000 Einwohner und liegt etwas verstreut zwischen dem State Highway und der Küste. Gewerbeparks aus Discountern, Fitnessstudios und Heimwerkermärkten bilden ein Ensemble, welches das Bild hier und in vielen Ansiedlungen in Neuseeland offensichtlich dominiert. Eine Stippvisite konnten wir noch beim neu gestalteten Community Learning Center einlegen. Das ist eine Art Volkshochschule für berufliche Bildung, die zu etwa zwei Dritteln von der Kommune finanziert wird. Hier finden regelmäßig Lehrgänge in “Hospitality” sowie Friseur- und Kochfortbildungen statt. Dazu einzelne PC- und Medienkurse. Die Lernküche war besonders beeindruckend: 10 gasbetriebene Großherde stehen zur Verfügung. Die Lehrkräfte demonstrieren ihre Künste unter Beobachtung von einer Deckenkamera, die ihre Bilder auf einen grossen Bildschirm transferiert. Die Live-Aufzeichnungen werden dann zur Nachbearbeitung gleich im Lernarchiv gespeichert. Allgemeinbildende Volkshochschulen wie in Deutschland kennt man in Neuseeland nicht. (Dazu mehr in einem späteren Blogbeitrag).

Von der Kaipiti-Coast führt uns der Weg weiter durch abwechslungsreiche Hügellandschaften Richtung Turangi, eine kleinere Stadt, die unweit eines großen Vulkangebiets, dem Tongariro-Nationalpark, liegt. Vielen ist das Gebiet aus der Herr der Ringe-Trilogie bekannt: Für Mordor und Erebor (….) bilden die Berge des Massivs – Ngauruhoe, Ruapehu und Tongariro – die filmischen Vorlagen. Wir unternehmen eine Wanderung am Fuße des Ruapehu (2797 Meter, sein maorischer Name bedeutet “Klanggrube”) , dann  weiter, etwas unterhalb, einen Rundweg zu einem spektakulären Wasserfall, der sich plötzlich in der teils sehr kargen, teils sehr farbig und kraftvollen Vulkanlandschaft auftut. Wir bekommen einen ersten Eindruck von der Mächtigkeit der Kräfte im Erdinneren. Die Vulkandämpfe sind an den Berghängen  “aktiv rauchend” zu beobachten. Der letzte Ausbruch des Ruapehu war 2007, der immer noch rauchende Tongariro hat 2012 zuletzt eine 6.000 Meter hohe Rauchwolke ausgespuckt, weitere starke Aktivtäten sind in diesem Gebiet in naher Zukunft zu befürchten. Interessanterweise liegt hier im Nationalpark auch Neuseelands größtes Skigebiet. Im Vergleich zu den europäisch-alpinen Gebieten ist dieses aber sehr übersichtlich. Die Landschaft ist spektakulär. Eintöniges Lavagrau oder -braun wechselt ab mit kraftvollen Grün, das die Lavasteine besiedelt, auch Pflanzen in Gelb und Orange prägen die Szenerie.


Von Turangi aus fahren wir mit einem kleinen Abstecher in Taupo nach Rotorua, das wegen seiner zahlreichen Clubs, Bars und Motels auch “Rotovegas” genannt wird. Ca. 30 Kilometer vor Rotorua besichtigen wir “Wai-O-Tapu” – ein “Thermal Wonderland”, in dem wir so gar nicht wirklich relaxen können, denn aus dem Erdboden entladen sich auf mehreren Quadratkilometern heiße Dämpfe und nach Schwefel stinkende Bubbles. Besonders eindrücklich ist der “Champagnerpool”, ein orange bis türkisfarben schillerndes heißes Becken, das – von Dampfschwaden eingehüllt ist.