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Coolness, Vintage und Vulkane: Reise durch den Norden (1)

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(Chr) Sommerferien! Und das von Mitte Dezember bis Ende Januar. Ein Gefühl, das für uns zweifellos ungewöhnlich ist. Die kalte Jahreszeit vermissen wir bis jetzt kaum, obwohl wir eigentlich zum Teil echte Winterfans sind. In den großen Ferien scheint nun (noch) öfter die Sonne, was sehr angenehm ist. Auch die kalten Nächte werden deutlich weniger, der Holzofen kann aus bleiben.
Wir (und die Kinder natürich frisch frisiert….) packen unsere Sachen und brechen – wie geplant – zu unserer sechswöchigen Expedition durch Neuseeland auf. Dabei sind wir in guter Gesellschaft mit (Hundert-)Tausenden von Kiwi-Touristen und unzähligen Urlaubern aus Übersee. Nach der Landwirtschaft ist der Tourismus Neuseelands wichtigster Wirtschaftszweig. Statistiken sagen,  dass jährlich etwa 6 Millionen auswärtige Menschen das Land bereisen – die meisten davon sind in den Sommermonaten Dezember bis Februar unterwegs. Außer europäischen und amerikanischen Gästen erkunden zunehmend asiatische Touristinnen und Touristen das Land (vor allem aus Japan, China, Südkorea, Indien). Das Treiben auf den Verkehrswegen und an den HotSpots des Landes nimmt im Sommer deutlich zu, auch wenn uns das Land immer noch sehr “leer” vorkommt. Wir haben es ein wenig versäumt, Unterkünfte “ordentlich” voraus zu buchen. Das erschwert ein wenig das Finden, zumal wir ja mit sechs Personen unterwegs sind. Aber es funktioniert!
Unser Plan sieht vor, die Nordinsel zwei Wochen zu bereisen, und uns dann weitere vier Wochen auf der Südinsel umzutun. So lang sind wir noch nie gemeinsam unterwegs gewesen, spannend und herausfordernd zugleich, zumal wir ja als “Reisegruppe” durchaus unterschiedliche Interessen vereinen…
De erste Station ist der Fährhafen im idyllischen Picton. Von hier aus geht es in einer dreieinhalbstündigen Schifffahrt durch die wunderschönen Marlborough Sounds hinüber zur Hauptstadt Wellington. Diese gilt auch als “Capital of Coolness”, was sich bei unserer ersten Begehung als angemessene Zuschreibung erweist. Wir sind nahe der “Cubastreet” einquartiert, in deren Umkreis sich Hippieläden und exotische Restaurants abwechseln. Junge Menschen unterschiedlichster Herkünfte bestimmen das Strassenbild. An vielen Ecken sind deutschsprachige Wortfetzen zu hören. Die Cubastreet endet im Hafenviertel der Stadt. Hier wirkt alles sehr neu gemacht: Wellington ist ja schließlich auch Regierungssitz und Handelsmetropole und glänzt mit einer kleinen Skyline, die sich irgendwie auf sehr engem Raum zusammenquetscht. Auch die Filmindustrie hat in Wellington ihr Zentrum (wobei sich Herr der Ringe-Regisseur Peter Jackson immer wehrt, die Stadt volksmundisch in “Wellywood” umzutaufen). Wie besichtigen das mächtige Nationalmuseum “Te Papa”, eine Mixture aus Naturkunde, Ethnologie und Geschichte, sehr modern aufbereitet. Und sehr beeindruckend. Auf dem Dach des Museums ein Rundumblick auf die untere Stadt. Imposant wird die Szenerie dann aber am Mount Victoria: ganz oben auf einem Hügel am Rande des Zentrums von Wellington befindet sich ein Aussichtspunkt mit Rundumblick über alle Stadtteile.
Unsere Herberge ist in einem Hostel, das erste, was wir überhaupt mit Kindern kennen lernen. Sehr buntes Treiben und viel Gewusel, Deutsch ist hier zweite Amtssprache. Ein 6-Bett-Zimmer, mit Küchenzeile und recht großem Bad. Passt schon für die erste Nacht. Wir werden Wellington schon am nächsten Tag verlassen, für die Rückreise ist ein weiterer Aufenthalt vorgesehen.

Der nächste Tag führt uns etwa 50 Kilometer weiter nordwestlich an die Kapiti Coast in einem Ort namens Paraparaumu, wo wir einen Kollegen und seine Frau von der Wiesbadener Volkshochschule treffen. Für alle, die jetzt fragen, wen denn: es kommt zur ersten erfreulichen Begegnung der (K)Carls. Die Kapiticoast ist eine ziemlich wilde Küste mit unendlich viel Schwemmholz. Der Tag wird sehr stürmisch und wir kämpfen uns durch den Südwind zu einem wunderbaren Cafe, das “Marine Parade Eatery”….” heisst und leckerste kleine Gerichte und Kuchen anbietet (nur als kleiner Sidekick: Christoph ist ausschliesslich wegen der Cafes in Neuseeland, Alexandra wegen Hobbiton). Unsere Unterkunft diesmal: ein echter 80er Jahre-Vintage-Campingplatz, der von einem etwa mürrischen Betreiber unterhalten wird. Hier verteilen sich ca. 40 Stellplätze ordentlich in Reih und Glied. Internet gibts keins, ist ja schliesslich wie in den 80ern. Zu jedem Platz gehört ein kleines grün bemaltes Badhäuschen. Dieses erweist sich als äußerst vorteilhaft, denn es erspart uns längere Gehwege zu irgendwelchen zentralen Toilettenanlagen, nicht unwichtig, denn in der Nacht schüttet und stürmt es, und unser neues 6-Personen-Zelt muss eine echte Bewährungsprobe bestehen. Gelingt aber. Alle, bis auf die Gepäckstücke im Vorzelt, blieben trocken. Auf dem Campingplatz leben zunehmend mehr Dauergäste. Eine von ihnen erzählt mir, dass immer mehr Kiwis ihre Häuser verkaufen, sich auf Campingplätzen “downsizen” und ihr Erspartes anderweitig verwenden (müssen). Und dies trotz einer Grundrente, die bei etwa 1200 Euro liegt. Der Ort selbst ist nicht besonders schillernd. Er beherbergt ungefähr 5000 Einwohner und liegt etwas verstreut zwischen dem State Highway und der Küste. Gewerbeparks aus Discountern, Fitnessstudios und Heimwerkermärkten bilden ein Ensemble, welches das Bild hier und in vielen Ansiedlungen in Neuseeland offensichtlich dominiert. Eine Stippvisite konnten wir noch beim neu gestalteten Community Learning Center einlegen. Das ist eine Art Volkshochschule für berufliche Bildung, die zu etwa zwei Dritteln von der Kommune finanziert wird. Hier finden regelmäßig Lehrgänge in “Hospitality” sowie Friseur- und Kochfortbildungen statt. Dazu einzelne PC- und Medienkurse. Die Lernküche war besonders beeindruckend: 10 gasbetriebene Großherde stehen zur Verfügung. Die Lehrkräfte demonstrieren ihre Künste unter Beobachtung von einer Deckenkamera, die ihre Bilder auf einen grossen Bildschirm transferiert. Die Live-Aufzeichnungen werden dann zur Nachbearbeitung gleich im Lernarchiv gespeichert. Allgemeinbildende Volkshochschulen wie in Deutschland kennt man in Neuseeland nicht. (Dazu mehr in einem späteren Blogbeitrag).

Von der Kaipiti-Coast führt uns der Weg weiter durch abwechslungsreiche Hügellandschaften Richtung Turangi, eine kleinere Stadt, die unweit eines großen Vulkangebiets, dem Tongariro-Nationalpark, liegt. Vielen ist das Gebiet aus der Herr der Ringe-Trilogie bekannt: Für Mordor und Erebor (….) bilden die Berge des Massivs – Ngauruhoe, Ruapehu und Tongariro – die filmischen Vorlagen. Wir unternehmen eine Wanderung am Fuße des Ruapehu (2797 Meter, sein maorischer Name bedeutet “Klanggrube”) , dann  weiter, etwas unterhalb, einen Rundweg zu einem spektakulären Wasserfall, der sich plötzlich in der teils sehr kargen, teils sehr farbig und kraftvollen Vulkanlandschaft auftut. Wir bekommen einen ersten Eindruck von der Mächtigkeit der Kräfte im Erdinneren. Die Vulkandämpfe sind an den Berghängen  “aktiv rauchend” zu beobachten. Der letzte Ausbruch des Ruapehu war 2007, der immer noch rauchende Tongariro hat 2012 zuletzt eine 6.000 Meter hohe Rauchwolke ausgespuckt, weitere starke Aktivtäten sind in diesem Gebiet in naher Zukunft zu befürchten. Interessanterweise liegt hier im Nationalpark auch Neuseelands größtes Skigebiet. Im Vergleich zu den europäisch-alpinen Gebieten ist dieses aber sehr übersichtlich. Die Landschaft ist spektakulär. Eintöniges Lavagrau oder -braun wechselt ab mit kraftvollen Grün, das die Lavasteine besiedelt, auch Pflanzen in Gelb und Orange prägen die Szenerie.


Von Turangi aus fahren wir mit einem kleinen Abstecher in Taupo nach Rotorua, das wegen seiner zahlreichen Clubs, Bars und Motels auch “Rotovegas” genannt wird. Ca. 30 Kilometer vor Rotorua besichtigen wir “Wai-O-Tapu” – ein “Thermal Wonderland”, in dem wir so gar nicht wirklich relaxen können, denn aus dem Erdboden entladen sich auf mehreren Quadratkilometern heiße Dämpfe und nach Schwefel stinkende Bubbles. Besonders eindrücklich ist der “Champagnerpool”, ein orange bis türkisfarben schillerndes heißes Becken, das – von Dampfschwaden eingehüllt ist.

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Schönheiten des Landes II

(chr) Über die eindrückliche Farbintensität in Neuseeland hatten wir schon an anderer Stelle berichtet. Diese Wahrnehmung hat sich in den letzten Wochen noch verstärkt: auf dem Weg von Nelson aus Richtung Nordwesten überquert man den kurvigen Takaka Hill in endlosen Serpentinen und landet schliesslich nach ca. 100 Kilometern in der Hippie-Hauptstadt Takaka selbst, die etwa 1300 Einwohner hat und das Zentrum der Golden Bay ist. Der Mainstream hier ist Flower-Power. Rucksackreisende und  bunt bemalte Campervans prägen das Ortsbild, junge Menschen in lässigen Klamotten streunen umher oder bieten auf Märkten Eigenproduziertes aller Art an. Einige Cafes im Ort sind in erdig-verwaschenen Farbtönen gehalten und offenbar der Treffpunkt der internationalen Community. Auch Hippie-Festivals finden immer wieder in der Gegend statt. Die “Hippieculture” hat in Takaka übrigens Tradition: im Ort ist noch ein altes Werbeblechschild für jugendstilbewegte Aufenthalte aus dem Jahr 1903 zu finden.

Der Weg nach Norden führt dann immer weiter durch immer wildere und rauhere Küstenlandschaft, vorbei am idyllischen Dorf Collingwood (in dem es eine viktorianisch gestylte Schokoladenmanufaktur gibt), über eine Schotterpiste, bis schließlich der Weg an einem wirklich magischen Ort endet: dem Wharariki Beach Holiday Park. Hört sich erstmal nach ziemlich viel Tourismus an, ist aber eigentlich nur ein sehr kleiner Campinglatz mit etwa 40 Stellplätzen, der von einem Landwirt als Nebenerwerb betrieben wird. Der Platz liegt inmitten einer tiefgrünen Wiesen-, Busch – und Waldlandschaft, in der Schafherden grasen. Doch das ist noch nicht das Besondere: von der Campsite aus führt eine schmaler Fußpfad, erst bergauf über Wiesen, dann ein kurzes Stück durch Urwald, hin zu dem schönsten aller Strände (auf dieser Welt?): dem Wharariki Beach. Es ist wirklich faszinierend: aus dem Wald heraus eröffnet sich plötzlich eine gewaltige Dünenlandschaft, die sich in den Pazifik absenkt. Dem Strand vorgelagert sind kleine Inseln und Felsformationen, die Archway Islands, die von


Höhlen durchzogen sind, durch die das Meerwasser rauscht. Vor den Felsen haben sich kleine Naturpools gebildet, in denen bei Ebbe die Seehunde mit ihrem Nachwuchs platschen. Ältere schwergewichtige Exemplare liegen auch ganz einfach auf den Sandbänken und dösen vor sich hin. Das Bild von den Archway Islands ist eines der verbeitetsten unserer Zeit: die Firma Microsoft hat es sich zu eigen gemacht und hat es als Hintergrundbild zu ihrem Windows-Programm erkoren. Die Bekanntheit des Bildes steht glücklicherweise in umgekehrter Relation zum faktischen Aufkommen an Besuchern: wir sind tatsächlich allein an dem riesigen Strand, als wir uns am Morgen den Felsen und den noch schläfrigen Seehunden nähern. Es sind wirklich bizarre Momente.


Von den Archway Islands führt dann ein Wanderweg hinüber zum sogenannten Cape Farewell, eine weitere Felsformation die den westlichen Punkt des Farewell Spits bildet, eine 32 Kilometer lange Landzunge, die wie eine Sichel in den Pazifik hineinragt und die Golden Bay nördlich begrenzt.

Die Landzunge ist streng geschützt und ständig in Bewegung. Sie soll sich nach Meinung der Fachleute in den nächsten 5 Jahren der Länge nach um 2 Kilometer ausdehnen. In der Wattlandschaft, die durch das Spit entsteht, stranden ofenbar immer wieder Wale und Walgemeinschaften, die ihre Orientierung verloren haben. Nicht immer schaffen sie es wieder heraus.
Der Ausflug in die Golden Bay hat uns massiv beeindruckt.