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Mit dem “Bat” 1x um die Welt – vom Tischtennisspielen in Neuseeland

(Chr) Tischtennis ist gemessen an der Zahl der  Aktiven nach Fußball, Tennis, Cricket und Basketball weltweit der populärste Sport. Es ist eine aufwandsarme Sportart, die nicht viel “Gedöns” erfordert. Ein paar Quadratmeter Raum und eine Platte mit Netz und Schlägern, das wars. Ich spiele seit 41 Jahren Wettkampftischtennis. Ein Hobby, das in Deutschland heute etwa 550.000 Aktive verbindet. Über die Wettkampfspielerinnen und -spieler wird ziemlich genau Buch geführt. Ich bin derzeit ungefähr auf Platz 55.000 der deutschen Rangliste verortet.

Das Bemerkenswerte an dieser Sportart ist: sie ist weltweit verbreitet. Anders ausgedrückt: Platten stehen (fast) überall. Und: Tischtennis ist ein “lebenslanger Sport”. Er vereint Generationen und Kulturen und sogar Politker auf sehr unaufdringliche Art und Weise. Zu Zeiten des kalten Krieges wurde zwischen den USA und China eine “Ping-Pong-Diplomatie” gepflegt, mit der es gelang, Nationen, die sich spinnefeind gegenüberstanden, zumindest miteinander ins Gespräch zu bringen.

Tischtennisspielerinnen und -spieler sind (fast immer) großherzige Menschen. In diesem Sport herrscht eine Willkommenskultur, die ihresgleichen sucht. 13 Mal bin ich in meinem Leben umgezogen, immer konnte ich über das Tischtennisspielen gute soziale Kontakte knüpfen und neue Freunde finden. Sogar meine erste Arbeitstelle nach dem Studium habe ich (wahrscheinlich) einem Tischtennis-Pokal zu verdanken: Als Vereinsmeister des SC Münster 08 im Jahr 1988 wurde mein Name auf den Pokal eingraviert. Auch der Name meines künftigen Chefs, den ich bis dahin nicht kannte, zierte erstaunlicherweise den Pokal – die Gravur war einige Jahre älter.  Die Gemeinsamkeit griff ich im Bewerbungsgespräch auf, als es um das Thema “Hobbies” ging.  Es ist sicher nicht vermessen zu behaupten, dass die gemeinsame Leidenschaft meine eigentliche Qualifikation als Ethnologe überlagerte.  Die Anwerbung des Arbeitgebers zur Einstellung und die Einladung zum Tischtennisspielen im neuen Verein erfolgten jedenfalls umgehend.

Mein Schläger hat mich, seitdem ich mit 13 Jahren in Balve im westfälischen Sauerland begann zu spielen, durchs Leben begleitet. In chronologischer Folge nach Münster in Westfalen, nach Lund in Schweden, nach Langstadt in Südhessen, nach Detmold und nach München, nach Bichl in Oberbayern und schliesslich wieder nach Südhessen. Derzeit (und schonmal in den Jahren 1988-1990) spiele ich in der 3. Herrenmannschaft des wohl bemerkenswertesten Tischtennis-Vereins in Deutschland, dem TSV Langstadt. Langstadt ist ein Ort ca. 40 km südlich von Frankfurt und hat aktuell etwa 1.600 Einwohner. Fast jede und jeder im Ort hat etwas mit Tischtennis zu tun. Im Seniorenbereich sind 7 Damen- und 6 Herrenteams mit jeweils mindestens 6 Aktiven gemeldet. Die 1. Damenfrauschaft spielt in der 2. Bundesliga. Fast alle Aktiven leben in und um Langstadt, Tischtennis ist hier also der “Megasport”, der einen Gutteil der lokalen Identität prägt. In der 2. Bundesliga hat Langstadt den mit Abstand höchsten Zuschauerschnitt.

Es fiel mit nicht leicht, meinen Teamkollegen anzukündigen, dass ich in der aktuellen Saison nicht zur Verfügung stehen würde – und das wegen eines längeren Auslandsaufenthaltes in Neuseeland. Ich packte meinen Schläger in den Koffer und nahm ihn mit nach Nelson, in unsere zwischenzeitliche Heimat am anderen Ende der Welt. Hier, im Kiwiland, fühlt sich Tischtennis “anders” an als bei uns. Doch der Reihe nach: Neuseeland ist aus internationaler Perspektive ein Tischtennis-Entwicklungsland. In der Weltrangliste der Männer wird es zwischen Platz 55 und 60 geführt (Deutschland ist nach China die Nummer 2). Im Ranking der nationalen Rangliste gibt es ca.  4.000 Aktive, dazu kommen sicher nochmal genauso viele nicht registrierte Vereinsspieler. Es gibt eine Vereinsstruktur und auch Wettkämpfe. Die Wettkämpfe folgen den Schuljahresquartalen, es werden also vier Runden pro Jahr ausgespielt.

In dem Bezirk meines Wohnorts (Nelson and Tasman Bay), der etwa 100.000 Einwohner hat und halb so groß ist wie Hessen, gibt es lediglich einen Verein – Nelson Table Tennis Incorporated – mit etwa 100 Spielerinnen und Spielern. An sieben Wettkampftagen wird in 3 Divisionen in 2er-Teams gegeneinander angetreten. Nachdem ich (für mich völlig erstaunlicherweise) im Qualifikationstraining die Nr. 1. des Vereins, Paul Op Den Buysch,  knapp schlagen konnte, wurde ich in die 1. Division an die vorderste Position eingestuft (What a feeling, never had this before….). Die 2er Teams werden für die Wettkampfrunde sehr fair zusammengestellt: der 1. der Rangliste tritt zusammen mit dem Letztgesetzen in einem Team an, der 2. und der Vorletzte bilden das nächste Duo und so weiter. Ich hatte großes Glück, denn mein Partner Ian Wallace und ich sind wirklich auf gleicher Wellenlänge. Wir sind gleichalt, er hat einen englisch-deutschen familären Hintergrund, so dass wir uns am Tisch auf Deutsch unterhalten konnten (big grins). Jedes Team gibt sich einen (nicht so ganz ernst gemeinten) Namen, wir wählten – aufgrund unserer sehr ählichen “Frisuren” –  die Bezeichnung “Hairdressers Hell” (s. Foto oben). In den Wettkämpfen erwarb ich mir schnell den Nickname “German Bat”.

The German Bat

Das liegt daran, dass ich mit einem uralten Holz spiele (für Insider: Barna, 2. Generation), das einem langen und einem kurzen Noppenbelag bezogen ist, die jeweils sehr unterschiedliche Spieleffekte auslösen. Während des Spiels drehe ich den Schläger, was beim Gegner (und manchmal auch bei mir selbst) zu ziemlicher Verwirrung führen kann. Gemeinsam mit Ian gelang es mir, die Wettkampfrunde des Quartals zu gewinnen. Auch in der Einzelwertung konnte ich – obwohl ich diesmal der bisherigen Nr.1 unterlag – die  Poleposition halten. In den anschliessenden Finals mußten Ian und ich uns dann im Halbfinale geschlagen halten.

Das noch mehr Erstaunliche an diesem Verein war dann aber nicht mein bis dato nie dagewesener und ungeahnter Erfolgshöhenflug, sondern die Begegnung mit Lionel Wells. Lionel ist der älteste Spieler des Vereins. Und ich würde jetzt einmal kühn behaupten: er ist der älteste Wettkampf-Tischtennisspieler der Welt. Lionel wird demnächst 97 und es gelingt ihm noch immer, in der 3. Division seine Siege zu erringen, auch gegen 20jährige.

Noch mit 78 Jahren hat er den Gesamtwettbewerb der 1. Division gewonnen. Seine nationalen Erfolge sind vielfältig. Es gibt ein Foto aus dem Jahr 1967: dort ist er als Teilnehmer eines Wettkampfs einer Nelson-Auswahl gegen englische Nationalmannschaftsspieler abgelichtet. Und schon damals – vor 50 Jahren – war er der Älteste. Unfassbar oder?
Lionel erzählt mir, dass er seit einiger Zeit Probleme mit dem Gleichgewicht hat und deswegen vor einem Jahr seinen Führerschein abgegeben musste. Das würde ihm aber nichts ausmachen, denn seine Nachbarin führe ihn ja zum Wettkampf, sie sei schliesslich erst 88. Am Ende unsere Unterhaltung fragt er mich, wie alt ich denn eigentlich sei? Ich antworte wahrheitsgemäß “54” – er erwidert lässig “Oh, you’re still a chick”.

Die Bedingungen, Tischtennis zu spielen, sind in Nelson optimal. Es gibt auf dem großen Sportcampus, dem “Saxton Field”, ein riesiges, neu errichtetes Sportgebäude mit mehreren Hallen. Eine Halle ist permanent für den Tischtennissport reserviert. Sogar morgens treffen sich vor allem ältere Aktive zum “Social Tabletennis”, dazu kommem das Frühstück oder der Lunch aus dem vereinseigenen Kiosk. Die Halle ist eine erstklassige Location: es kann an 13 Tischen gespielt werden, und immer gibt es Platz genug für alle. Ein Roboter steht zum Training bereit. Eine große Tribüne lädt zum Zuschauen und zum geselligen Beisammensein ein. Für alle, die es ein wenig bequemer wollen, gibt es dort Couchgarnituren zum Entspannen – kiwi-like eben.

Und was war nicht ganz so toll?
In Nelson fehlte mir ein wenig die Einkehr nach dem Sport. Das ist in Kiwiland traditionell nicht üblich, denn nach 22 Uhr abends geht hier eigentlich nichts mehr. Was die nachsportliche Gemütlichkeit betrifft, ist das hessische Langstadt ohnehin kaum zu übertreffen: dort gibt es bei Toni und Theresa im “Stern” selbst nach langen Wettkämpfen auch nachts um 1 noch Pizza, und zwar die allerbeste, und zwar seit mehr als 30 Jahren. Ihre rustikale Location ist zum Mekka der Tischtennisspieler der Region geworden, zumindest um Mitternacht herum. Und auch im unbedingt empehlenswerten Langstädter Landgasthof “Zur Bretzel”, gibt es erfrischende Biere, einen Sauergespritzten und – wenns arg kommt  – auch einmal einen “Otzberg“. Vielleicht ergibt sich in Zukunft ja mal eine Tischtennispartnerschaft zwischen Nelson und Langstadt. Wäre ziemlich aufwändig, aber für beide Seiten der Welt sicher eine eindrückliche Erfahrung.

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Was kostet die Welt – in Neuseeland ?

(Chr)  Über das “schöne Geld” in Neuseeland haben wir schon an anderer Stelle erzählt. Doch Geld ist nicht nur schön, sondern hat auch seinen Wert: zu wissen “Was kostet Was” ist nicht ganz unerheblich, wenn es ums Weitwegreisen oder auch um die Finanzierung eines längeren Aufenthaltes in der Ferne geht. “Das teuerste an einer Reise nach Neuseeland ist der Flug”, wird oft behauptet. Was so nicht ganz stimmt. Denn der Transfer zweimal um die halbe Welt ist eigentlich ziemlich preiswert: 40.000 Kilometer kosten ca. 1500 Euro, je nach Jahreszeit vielleicht ein bißchen weniger. Das sind nicht einmal 4 Cent pro Kilometer. Ergo: de Kosten einer Reise sind immer relativ (wie fast alles im Leben). Mein ältester Sohn ist einmal mit einigen Freunden zwei Wochen von München nach Wien unterwegs gewesen. Die Idee war, dass die Reise nichts kosten durfte. Es hat funktioniert und den jungen Leuten viel Spass gemacht. Das meiste Reisegeld haben sie mit Singen in Fußgängerzonen verdient. Ihr Projekt wurde im Radio präsentiert, woraufhin sie von diversen netten Menschen zum Essen oder zum Schlafen eingeladen wurden. Mit Couchsurfing und dem klassischen Trampen lassen sich viele Kosten sparen, und das natürlich nur, weil es großzügige Menschen gibt, die fremde Gäste beherbergen oder im Auto mitnehmen. Couchsurfing und Trampen funktionieren auch in Neuseeland. Und es geht auch ganz anders: wer in luxoriösen Superlodges residieren und die Gletscher der neuseeländischen Alpen mit dem Helikopter erkunden möchte, kann dies tun. Für (fast) jeden Wunsch gibt es einen entsprechenden Tarif.

Nach Neusessland zu fliegen, ist ein sehr günstige Fortbewegung.

Wir sind zu Sechst für gut ein halbes Jahr im Land, müssen zwar nicht an allen Ecken und Enden sparen, allerdings doch immer wieder “mal aufs Geld schauen”. Was kann ein halbes Jahr Neuseeland in einer solchen Konstellation kosten?
Zunächst das Wohnen: Wir haben uns in Nelson bei einem alten Schulfreund von mir eingemietet, der vor 20 Jahren eingewandert ist und gemeinsam mit seiner Frau ein wunderschönes Haus in Strandnähe bewohnt, mit ausreichend Platz für sechs (zum Teil quirlige Menschen), mit einem großen grünen Garten, in dem Palmen stehen und Südfrüchte aller Art zu ernten sind. Die beiden haben sich – ähnlich wie wir – dazu entschlossen, längere Zeit unterwegs zu sein und sind während unseres Aufenthalts mit ihrem schönen Campervan in Neuseeland auf Tour. Herbergen wie wir sie jetzt bewohnen kosten in Nelson bei längerer Anmietung ca. 400-700 Dollar pro Woche (280 bis 500 Euro). Also etwa so viel wie in einer vergleichbaren Umgebung in Deutschland.  Über Makler und auch über Agenturen wie airbnb lassen sich passable Häuser und Wohnungen finden. Auch Internetforen helfen dabei, eine Bleibe aufzutun. Theoretisch wäre auch “kostenloses” Wohnen über eine Haustauschbörse möglich, allerdings: ein Kiwi tauscht seinen Sommer kaum gegen einen mitteleuropäischen Winter. Wir haben unser Haus in Deutschland daher für sechs Monate an Studentinnen vermietet, was dazu führt, sich grundlegend über den Zustand der eigenen Behausung Gedanken zu machen (und diverse Verschönerungen und Verbesserungen ins Auge zu fassen)

Nayland College – Orientierungsplan. Die Schule ist in Departments untergliedert.

Was kostet der Schulbesuch? Die Kinder besuchen in Neuseeland die Primary School (Ben und Carl) bzw. das College (Lucy und Matthias). Die Schulgebühr beträgt bei internationalen Gästen pro Kind pro Woche etwa 250 Dollar, das sind heute umgerechnet 180 Euro. Mal 4 mal ein halbes Jahr sind kein Pappenstiel. Dafür erleben die Kinder eine Schulqualität, die merkbar über der liegt, die wir aus Deutschland gewohnt sind – einmal abgesehen von der Montessori-Schule, die Carl in unserer bayerischen Heimat besucht, und mit der wir sehr zufrieden sind. Wir waren über diese hohen Kosten zunächst sehr erschrocken  – der Schulbesuch ist für Kinder mit permanentem Aufenthalt schliesslich frei – heute erscheint uns dieser Betrag allerdings durchaus gerechtfertigt. Denn als “Durchreisende” zahlen wir ja keine Einkommensteuern im Land und werden folgerichtig auf anderem Weg zur Kasse gebeten. Toll wäre es natürlich, wenn es internationale Austauschprogramme gäbe, die dafür sorgen könnten, dass Kinder gebührenfrei oder mit geringen Kosten einen Auslandsaufenthalt erleben könnten. Oder dass der Austausch ganzer Familien finanziell unterstützt würde.

Auch das Unterwegssein im Land kostet den ein oder anderen Rappen. Viele Reisenden mieten sich sich einen Campervan oder ein Auto. Hier schwanken die Tarife deutlich nach Größe und Saison. Unser Rat: bei einer mehrmonatigen Reise ist der Kauf eines Fahrzeugs ratsam. Autos kosten etwa das Gleiche wie bei uns, sie haben allerdings ein deutlich längeres Leben.  Die Kosten eines Kiwilandurlaubs variieren schließlich je nach Reisekonzept: Hitchhiking funktioniert wie erwähnt prima und ist gratis. Geld läßt sich auch sparen, wenn man One-way-Mietwagen für eine Autovermietung wieder an seinen Urspungsort zurück frachtet. Das schränkt allerdings die Strecke und die Zeiten sehr ein. Einigermassen bezahlbar ist auch das Fliegen innerhalb Neuseelands. Gerade, wenn man nicht viel Zeit hat, ist es ratsam, größere Distanzen mit dem Flugzeug zu überbrücken und sich dann eventuell mehrmals ein Auto zu mieten.  Auch Busse und Züge können relativ günstig sein, z.B. wenn man mit einem Intercity-Flexi-Pass unterwegs ist.  Oder auch horrend teuer, zum Beispiel bei einer Buchung von Einzelstrecken: auf unserer Tour auf der Südinsel hatten wir vorgesehen, die 150 Kilometer lange Strecke mit dem Zug von Christchurch zum Arthurs Pass und zurück zu fahren (einfach, um auch mal Zug zu fahren)… es hätte für unsere sechsköpfige Familie etwa 800 Dollar gekostet. Wir haben es dann gelassen.

Überhaupt ist die Höhe der Eintrittsgelder für touristische Attraktionen extrem unterschiedlich. Es gibt einerseits die tollsten Erlebnisse “für umsonst” – etwa das beeindruckende Te Kapa-Nationalmuseum in Wellington oder den bestens präparierten Walk zu den Pankake Rocks bei Punakaiki ; andererseits werden Eintrittspreise verlangt, die die Ohren zum Schlackern bringen: so kostet etwas die geführte Beobachtung der Albatrosse auf der Otago-Peninsula mal eben 190 Dollar  (90 Minuten ca. 130 Euro für 2 Erw/4 Kinder), für die kurze Fahrt durch die Glowworm-Caves bei Waitomo sind 140 Dollar fällig.
Ziemlich weit ist auch die Preisspanne bei den Übernachtungen. Berghütten-Schlafplätze (des Department of Conservation) sind mit 32 Dollar ganz günstig (Kinder übernachten dort sogar kostenfrei), genauso wie viele Backpackerbetten, die es bereits ab 15 Dollar gibt. Motels und Hotels gibt es wie fast überall in jedweder Katagorie und preislich ähnlich gestaltet wie in der Heimat. Auf Campingplätzen wird ein Grundpreis plus eine Gebühr pro Person abgerechnet, das kann – wenn viele gemeinsam unterwegs sind – auch schon mal ins Geld gehen. Günstiger oder sogar kostenfrei ist das Freedom-Camping, dessen Nutzung allerdings ein “self contained”-Fahrzeug (mit Toilette) erfordert.

Spannend wird es im Supermarkt. Ich liebe es, im Ausland in Supermärkten einzukaufen, denn hier lernt man sehr viel über die ansässigen Menschen und ihre Kulturen (” Tell me what you eat, and I will tell you what you are” – schrieb bereits im Jahr 1825 der französische Gastrosoph Brillat Savarin). Und abgesehen vom Essen und Trinken offerieren Supermärkte heutzutage ja einen auch großen Teil der Warenwelt des Alltagskonsums, also auch die sogenannten “Non-Food-Artikel”. Eins ist sicher: zum Geldsparen sind Supermärkte in Neuseeland nicht geeignet.  Bis auf wenige Ausnahmen ist eigentlich alles teurer, zum Teil deutlich teurer als im preisverwöhnten Germany.
Wissenwert ist: in Neuseeland erhalten Landwirte keinerlei staatliche Subventionen. Diese wurden im Jahr 1986 gänzlich abgeschafft, was  zu einer ziemlichen Effizienzsteigerung in diesem Wirtschaftszweig führte. Deshalb hinkt auch der Vergleich mit deutschen oder europäischen Preisen ein wenig: ehrlicherweise sind ja europäische Lebensmittel eigentlich viel teurer als im Supermarkt ausgewiesen. Durch die hohen EU-Subventionen, die aus Steuermitteln stammen, können bei uns die landwirtschaftlichen Produkte “billiger” in den Handel kommen, die Erzeugerkosten werden quasi auf den Steuerzahler “umgelegt”. Würde man bei uns die vielen Miliarden Subventionen auf die einzelnen Lebensmittel verteilen, lägen die Preise in Deutschland und Neuseeland in etwa auf gleichem Niveau.

Doch der Reihe nach: Genussmittel stehen in Neuseeland hoch im Kurs. Bier, Wein und Schokolade sind etwa doppelt so kostspielig wie daheim. Frisches Gemüse und Obst sind merkbar teurer, auch in Form von Konserven und Tiefgefrorenem. In der Waage halten sich Fleisch und Wurstwaren, Fisch kann zum Teil etwas günstiger sein. Brot und Gebäck bewegen sich – je nach Qualität und Herkunft – zwischen ganz billig (40 Brötchen für 4 Dollar) bis sehr kostspielig (Packung Ökovollkorntoast für 5 Dollar). Auch für Molkereiprodukte muss der Konsument deutlich mehr zahlen als aus der Heimat gewohnt: für 1 kg Joghurt werden zwischen 4 und 6 Dollar verlangt. Hygieneartikel schlagen ordentlich zu Buche, Aufschlag gegenüber dm und Co etwa 100 Prozent. Als Faustregel gilt: neusseländische Produkte zu erwerben ist besonders kostenintensiv, die Abnahme größerer Mengen kann zu Ersparnissen führen. Oftmal gibt es auch “Aktionen”, die in Kombination mit Kundenkarten einige Groschen im Geldbeutel übrig lassen.

Im Grunde gibt es in Neuseeland nur drei Supermarktketten: Countdown, New World und Pack n’ Save. Die ersten beiden ähneln im Setting mehr unseren Edeka oder Rewe, Pack n’ Save erinnert ein wenig an Aldi und Verwandte, ist aber längst nicht so kostengünstig. Auf dem Land gibt es kleinere Läden unter dem Label “Four Square”. Alternativen zum Supermarkt sind die zahlreichen Märkte, die in den Städten und auch auf dem Land regelmäßig stattfinden. Hier gibt es zum Teil sehr gutes Obst und Gemüse von regionalen Erzeugern und zu akzeptablen Preisen. Bioläden wie wir sie aus Deutschland kennen, gibt es kaum. In Nelson waren wir nur einmal in einem Ökostore zu Gast. Es überstieg ganz einfach unsere Möglichkeiten: ein kleines Glas “Samba” (eine wohlschmeckende nachhaltig hergestellte Konkurrenz zum in Neuseeland an sich schon sehr teuren “Nutella”) wurde dort mit 28 (in Worten achtundzwanzig) Dollar, also etwa 20 Euro, veranschlagt. Das ist in etwa das Fünffache des “deutschen” Preises. Dann doch lieber die jummy Erdnussbutter aus der kultig-heimischen Produktion “Pic’s” zu 6 Euro 50. ”

Der “Taste of Europe” ist in Neuseeland etwas teurer…. (Imbissbude in Christchurch)

Auswärts” zu essen und zu trinken kostet gefühlt etwa 30-50 Prozent mehr. Wie auch in Deutschland mittlerweile üblich gibt es in den Restaurants zumeist eine günstigere Lunchkarte zum Mittagessen ein abendliches Dinnerangebot mit angehobenen Preisen. Insgesamt fanden wir die relativ hohen Preise in den Restaurants angemessen: der Qualitätsstandard der Lokale ist durchgägig sehr hoch. Trinkgelder gibt es keine, was den bei uns üblichen Aufschlag von 5 bis 10 Prozent spart.

Im Vintage-Shop – Hüte für alle Kopfgrößen….

Der Kauf von Kleidung  beansprucht (je nach Qualität und Marke) in etwa soviel Ressourcen wie in Deutschland. Allerdings gibt es so gut wie keine expliziten Billigketten wie H&M oder Primark. Tolle Fundgruben von zum Teil sehr hochwertiger Kleidung sind die unzähligen Second-Hand-Läden, die von gemeinnützigen Organisationen oder Kirchen betrieben werden. Wahre Schatzkammern für alle, die den Retro- oder Vintagestyle mögen. Auch Haushaltgerätschaften und Möbel finden hier einen Zufluchtsort. Nelson ist im Übrigen ein Mekka der Used-Culture. Bei aller Begeisterung standen wir das ein oder andere Mal auch ein wenig bedrückt in den Läden, weil wir nicht die Gelegenheit hatten, mit den vielen schönen geschichtsträchtigen Dingen ein Haus oder eine Wohnung einzurichten.

Weitere regelmäßige Ausgaben entstehen bei einem längeren Aufenthalt durch viele andere Alltagsbefürfnisse: W-Lan ist in der Öffentlichkeit längst nicht überall kostenfrei und kann meistens “dazugebucht” werden. SIM-Karten gibt es wie in Europa in vielen Preis- und Volumenklassen, hier Tarife aus Deutschland zu nutzen macht keinen Sinn. An den Benzinzapfsäulen gelten ähnliche Preise wie in der Heimat. Manchmal geht es auch erstaunlich günstig: viele Events sind mit der Aufforderung “Donations” zu spenden, verknüpft: Musikveranstaltungen, Fussballspeile oder auch Feste kosten oft keinen Eintritt, eine Sammeldose steht dann allerdings fast immer parat. Der Besuch öffentlicher Toiletten ist in Neuseeland generell kostenfrei (eine Errungenschaft stärker zivilisierter Länder übrigens). Der Zustand der Anlagen ist sehr vorzeigbar.

Einen entscheidenden Anteil an der Preisfindung hat letztendlich der Wechselkurs. Dieser kann innerhalb eines Jahres um 15-25 Prozent schwanken. Wir sind um den Jahreswechsel 2016/17 leider in einer für uns relativ teuren Phase unterwegs. Wer längere Zeit im Land ist und eine feste Adresse nachweisen kann, sollte ein Konto eröffnen und sich eine neuseeländische Bankkarte organisieren. Problemlos funktionierte dies bei der Kiwibank (entspricht der Postbank in Deutschland). Geldüberweisungen aus Deutschland heraus auf das eigene Kiwikonto haben wir mit transferwise durchgeführt. Der Wechselkurs und die Gebühren sind hier unschlagbar gut bzw. niedrig. Es gibt einige wenige Kreditkarten, die keine Auslandseinsatzgebühr verlangen, hier eine kleine Übersicht (Stand Februar 2017).

Zusamengenommen gilt: Kiwicountry ist ein preiswertes, aber ein nicht wirklich günstiges Fleckchen Erde. Und wie es die Einheimischen schaffen, mit den relativ hohen Preisen zurecht zu kommen, werden wir in einem der folgenden Posts ergründen.

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Every woman every man join the Caravan – of love

(Chr) Was wäre Neuseeland ohne seine “Mobile Homes”? Es ist wirklich erstaunlich, mit welchen Finessen die  Kiwis ihre rollenden Häuser ausstatten. Wir können das alles bestens beobachten, denn wir wohnen in Nelson direkt hinter dem (so die Ortsbewohner) “größten Campingplatz der südlichen Hemisphäre“. Was hier an Wohnwagen, Wohnmobilen, umgebauten Lastwagen sowie radikalentkernten und dann wieder komplett neu ausgestatteten Verkehrsbussen anlandet, ist sehenswert. Wir gehen täglich über den Campingplatz, weil unser Weg zum Stand direkt dort herüberführt. Eine beträchtliche Zahl der Mobile Homes steht hier offenbar seit Jahren, es sind Dauercamper, die im “fahrenden Ferienhaus” setteln.
In den Homes und um sie herum wird die Hingabe der Kiwis sichtbar, wenn es um die liebevolle Gestaltung kleiner Details geht: Caravans und Campervans of love soweit das Auge reicht. Hier mal ein paar Beispiele:

Auffällig sind die großen Fensterflächen der Mobile Homes. Das unterscheidet Neusseland von Deutschland, wo die Fenster der Wohnmobile und Campingwagen eher klein gehalten sind: die Kiwis möchten gerne rausschauen, die Deutschen möchten gern, dass man ihnen nicht reinschaut. Auf dem Campingplatz werden uns gerne “Hausführungen” angeboten. Die Besitzern sind sehr stolz auf ihre individuellen Designs und wahrlich erfindungsreich bei allem, was sie mit ihren Gefährten (im doppelten Wortsinn) tun. Die Liebe zum Caravaning begann übrigens bereits in den 1930er Jahren, als die ersten Kreativen auf die Idee kamen, sich mit ihren selbstgebauten rollenden Ferienhäuschen auf die Reise zu begeben. Einen Eindruck davon bekommt man im Nationalmuseum in Wellington, dem “Te Papa”. Hier entstand ein kurzer Film zur Geschichte der Mobile-Home-Bewegung in Neuseeland:

Günstig urlauben kann man mit den Mobil Homes heutzutage im Übrigen nur bedingt. Zumindest auf den Campingarealen sind die Stellplätze relativ hochpreisig, und für Touristen sind die Leihgebühren für Campervans verhältnismäßig hoch. Tipps und Hinweise, wo und wie Freedom-Camping möglich ist, gibt es hier bei den Weltwunderern. Eine neue kostengünstigere Alternative ist das “Campingvan teilen”, das die Internetagentur “Share a Camper” seit zwei Jahren in Neuseeland anbietet.

Und schliesslich: wer hat’s erfunden, den Song “Caravan of love”?
Mitnichten die Housemartins im Jahr 1986 (mit der Cover-Version, die wohl jeder kennt), sondern bereits ein Jahr vorher die Combo “Isley Jasper Isley“. Beides natürlich richtig sehens- und hörenswert.

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About Autos

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(Chr) Autofahren geht in Neuseeland, da unter der britschen Krone, andersherum. Linksverkehr, Lenkrad rechts, rechts überholen (und zunächst zumeist: rechts überholt werden). Interessanterweise funktioniert das Fahren auf der anderen Seite nach kurzer Zeit erstaunlich gut, was wohl daran liegt, dass die Zahl der Autos auf den neuseeländischen Strassen wirklich überschaubar ist. Auch wenn es nur wenige große Strassen auf den Inseln gibt, verteilen sich die Fahrzeuge so, dass ein Stau eine absolute Seltenheit ist. Wir haben erst einen erlebt, das war, als an der Strasse, die entlang der Küste ins Zentrum von Nelson führt, plötzlich Orcas gesichtet wurden, eine Seltenheit in dieser Bucht. Das Auftauchen der Wale führte dazu, dass die Autos kurzerhand auf der Hauptstrasse anhielten und die FahrerInnen eine Fotopause einlegten. Keine Meckereien, im Gegenteil. Fahren und Freundlichkeit gehören hier fast immer zusammen, Gelassenheit ist angesagt. Natürlich gibt es ein Tempolimit (max 100, in Städten oft nur 30), vor Gehwegen wird prinzipiell angehalten, zahreiche Autokreisel bringn den Verkehr zum Fließen. Entlang der Westküstenstrasse auf der Südinsel soll es ja überhaupt keine Ampel geben (und vor einiger Zeit hat es wohl um den Bau einer ersten Ampel einen heftigen Streit unter den BewohnerInnen gegeben). Die Strassen in Neuseeland folgen im übrigen einfach der Topografie: an steilen Hängen führen die Wege oftmals geradeaus hoch und runter, ohne Serpeninen, Steigungen von 20% und mehr sind nicht unüblich. Und auch die steilste Strasse der Welt gibt es angeblich in Kiwiland. Die Landstrassen sind im Prinzip gut in Schuss, doch auch die neigen sich nicht selten in eine seitliche Richtung (so ungefähr wie beim Nürburgring oder in der AVUS in Berlin), eine Umstand, der am Anfang verwundert, jedoch sicher viele Planier- und Begradigungsarbeiten erspart.
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Sobald man eine Panne hat (das passierte uns in den ersten drei Wochen gleich zweimal), stehen innerhalb kürzester Zeit sicher mehrere Kiwi-AutoexpertInnen mit Rat und Tat beiseite. Wir wurden nach unserem Autokauf (Toyota Estima Lucida, Bj 1998, 105.000km) gleich AA-Mitglied (=ADAC), was sich dementsprechend bewährte. Pannen haben bei uns in der Familie seit je her Tradition. Ich denke, dass wir in Deutschand zu den ungefähr Top Ten meistbekümmerten ADAC-Mitgliedern überhaupt gehören. Das Autokaufen selbst funktioniert in Neuseeland problemlos: Gekauft wird privat oder beim Händler, dann erfolgt eine Registrierung auf den Halter und – wenn man mag – eine Autoversicherung. Die Kosten für Personenschäden übernimmt prinzipiell der Staat, so dass eine Versicherung nicht immer üblich ist.

Einen TÜV gibt es auch, und der heißt lustigerweise “WOF” (warrenty of fitness). Das Durchschnittsalter der Fahrzeuge ist in Neuseeland wesentlich höher als in Deutschland, die individuelle Geschichte der Fahrzeuge kann man vor dem Kauf in einem Online-Register abfragen, das Fahrzeug behält sein Leben lang dasselbe Nummernschild. Im Kiwiland fahren sehr viele Vans, und auch die mir bis heute vor allem vom ästhetischen Gesichtspunkt aus völlig befremdliche “SUV-Mode” breitet sich zunehmend aus.
Nelson ist im Übrigen eine echte Autostadt. Händler gibt es an vielen Ecken, und eine der Hauptattraktionen ist das Automuseum im  “WOW” (World of WearableArt & Classic Cars Museum).
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Hier stehen auch zwei meiner Lieblingsautos: der Volvo P 1800, ein Meisterstück des Autodesigns, und die legendäre Corvette, die unter anderem durch den Geheimdienstagenten Lee Stetson in der US-Serie “Agentin mit Herz” Mitte der 80er Jahre berühmt wurde…. (oben links, incl. der zwei jugendlichen Fahrer)