Posted in Alltag in Neuseeland, Mobiles Reisen

Every woman every man join the Caravan – of love

(Chr) Was wäre Neuseeland ohne seine “Mobile Homes”? Es ist wirklich erstaunlich, mit welchen Finessen die  Kiwis ihre rollenden Häuser ausstatten. Wir können das alles bestens beobachten, denn wir wohnen in Nelson direkt hinter dem (so die Ortsbewohner) “größten Campingplatz der südlichen Hemisphäre“. Was hier an Wohnwagen, Wohnmobilen, umgebauten Lastwagen sowie radikalentkernten und dann wieder komplett neu ausgestatteten Verkehrsbussen anlandet, ist sehenswert. Wir gehen täglich über den Campingplatz, weil unser Weg zum Stand direkt dort herüberführt. Eine beträchtliche Zahl der Mobile Homes steht hier offenbar seit Jahren, es sind Dauercamper, die im “fahrenden Ferienhaus” setteln.
In den Homes und um sie herum wird die Hingabe der Kiwis sichtbar, wenn es um die liebevolle Gestaltung kleiner Details geht: Caravans und Campervans of love soweit das Auge reicht. Hier mal ein paar Beispiele:

Auffällig sind die großen Fensterflächen der Mobile Homes. Das unterscheidet Neusseland von Deutschland, wo die Fenster der Wohnmobile und Campingwagen eher klein gehalten sind: die Kiwis möchten gerne rausschauen, die Deutschen möchten gern, dass man ihnen nicht reinschaut. Auf dem Campingplatz werden uns gerne “Hausführungen” angeboten. Die Besitzern sind sehr stolz auf ihre individuellen Designs und wahrlich erfindungsreich bei allem, was sie mit ihren Gefährten (im doppelten Wortsinn) tun. Die Liebe zum Caravaning begann übrigens bereits in den 1930er Jahren, als die ersten Kreativen auf die Idee kamen, sich mit ihren selbstgebauten rollenden Ferienhäuschen auf die Reise zu begeben. Einen Eindruck davon bekommt man im Nationalmuseum in Wellington, dem “Te Papa”. Hier entstand ein kurzer Film zur Geschichte der Mobile-Home-Bewegung in Neuseeland:

Günstig urlauben kann man mit den Mobil Homes heutzutage im Übrigen nur bedingt. Zumindest auf den Campingarealen sind die Stellplätze relativ hochpreisig, und für Touristen sind die Leihgebühren für Campervans verhältnismäßig hoch. Tipps und Hinweise, wo und wie Freedom-Camping möglich ist, gibt es hier bei den Weltwunderern. Eine neue kostengünstigere Alternative ist das “Campingvan teilen”, das die Internetagentur “Share a Camper” seit zwei Jahren in Neuseeland anbietet.

Und schliesslich: wer hat’s erfunden, den Song “Caravan of love”?
Mitnichten die Housemartins im Jahr 1986 (mit der Cover-Version, die wohl jeder kennt), sondern bereits ein Jahr vorher die Combo “Isley Jasper Isley“. Beides natürlich richtig sehens- und hörenswert.

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About Autos

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(Chr) Autofahren geht in Neuseeland, da unter der britschen Krone, andersherum. Linksverkehr, Lenkrad rechts, rechts überholen (und zunächst zumeist: rechts überholt werden). Interessanterweise funktioniert das Fahren auf der anderen Seite nach kurzer Zeit erstaunlich gut, was wohl daran liegt, dass die Zahl der Autos auf den neuseeländischen Strassen wirklich überschaubar ist. Auch wenn es nur wenige große Strassen auf den Inseln gibt, verteilen sich die Fahrzeuge so, dass ein Stau eine absolute Seltenheit ist. Wir haben erst einen erlebt, das war, als an der Strasse, die entlang der Küste ins Zentrum von Nelson führt, plötzlich Orcas gesichtet wurden, eine Seltenheit in dieser Bucht. Das Auftauchen der Wale führte dazu, dass die Autos kurzerhand auf der Hauptstrasse anhielten und die FahrerInnen eine Fotopause einlegten. Keine Meckereien, im Gegenteil. Fahren und Freundlichkeit gehören hier fast immer zusammen, Gelassenheit ist angesagt. Natürlich gibt es ein Tempolimit (max 100, in Städten oft nur 30), vor Gehwegen wird prinzipiell angehalten, zahreiche Autokreisel bringn den Verkehr zum Fließen. Entlang der Westküstenstrasse auf der Südinsel soll es ja überhaupt keine Ampel geben (und vor einiger Zeit hat es wohl um den Bau einer ersten Ampel einen heftigen Streit unter den BewohnerInnen gegeben). Die Strassen in Neuseeland folgen im übrigen einfach der Topografie: an steilen Hängen führen die Wege oftmals geradeaus hoch und runter, ohne Serpeninen, Steigungen von 20% und mehr sind nicht unüblich. Und auch die steilste Strasse der Welt gibt es angeblich in Kiwiland. Die Landstrassen sind im Prinzip gut in Schuss, doch auch die neigen sich nicht selten in eine seitliche Richtung (so ungefähr wie beim Nürburgring oder in der AVUS in Berlin), eine Umstand, der am Anfang verwundert, jedoch sicher viele Planier- und Begradigungsarbeiten erspart.
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Sobald man eine Panne hat (das passierte uns in den ersten drei Wochen gleich zweimal), stehen innerhalb kürzester Zeit sicher mehrere Kiwi-AutoexpertInnen mit Rat und Tat beiseite. Wir wurden nach unserem Autokauf (Toyota Estima Lucida, Bj 1998, 105.000km) gleich AA-Mitglied (=ADAC), was sich dementsprechend bewährte. Pannen haben bei uns in der Familie seit je her Tradition. Ich denke, dass wir in Deutschand zu den ungefähr Top Ten meistbekümmerten ADAC-Mitgliedern überhaupt gehören. Das Autokaufen selbst funktioniert in Neuseeland problemlos: Gekauft wird privat oder beim Händler, dann erfolgt eine Registrierung auf den Halter und – wenn man mag – eine Autoversicherung. Die Kosten für Personenschäden übernimmt prinzipiell der Staat, so dass eine Versicherung nicht immer üblich ist.

Einen TÜV gibt es auch, und der heißt lustigerweise “WOF” (warrenty of fitness). Das Durchschnittsalter der Fahrzeuge ist in Neuseeland wesentlich höher als in Deutschland, die individuelle Geschichte der Fahrzeuge kann man vor dem Kauf in einem Online-Register abfragen, das Fahrzeug behält sein Leben lang dasselbe Nummernschild. Im Kiwiland fahren sehr viele Vans, und auch die mir bis heute vor allem vom ästhetischen Gesichtspunkt aus völlig befremdliche “SUV-Mode” breitet sich zunehmend aus.
Nelson ist im Übrigen eine echte Autostadt. Händler gibt es an vielen Ecken, und eine der Hauptattraktionen ist das Automuseum im  “WOW” (World of WearableArt & Classic Cars Museum).
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Hier stehen auch zwei meiner Lieblingsautos: der Volvo P 1800, ein Meisterstück des Autodesigns, und die legendäre Corvette, die unter anderem durch den Geheimdienstagenten Lee Stetson in der US-Serie “Agentin mit Herz” Mitte der 80er Jahre berühmt wurde…. (oben links, incl. der zwei jugendlichen Fahrer)