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Home is where the heart is – wie kommt man wieder an?

Hier schreibt Alexandra:

So, nun habe ich also zwei Herzensheimaten: den oberbayrischen Alpenrand und Nelson, Neuseeland. Seit einer ganzen Weile sind wir zurück.

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Zurück in Oberbayern, zurück in unserem großen alten Haus, zurück im Alltag. Die Teenager gehen wieder in das bayrische Gymnasium (“langweilig”) und die beiden “kleinen” Jungs in die Montessorischule, die ein wenig an die neuseeländische Grundschule erinnert. Wir Eltern gehen wieder in unsere Büros und ich versuche zusätzlich den Haushalt zu jonglieren. Alles also wie davor?

Ja und nein.

Bevor man ein solches Projekt durchzieht, denkt man wenig über das danach nach. Und dann ist es plötzlich danach. Und man denkt: ich möchte jetzt alles anders machen, gar nicht erst wieder in den alten Trott zurück verfallen. Denn dieser manchmal überbordende, überfordernde Alltag war ja auch ein Grund zu sagen: stop – wir müssen hier mal raus und eine Auszeit machen.

Neslon Wall ArtAber schon nach einer Woche hatte ich das Gefühl, es ist alles beim Alten, und einen Monat später nur noch Sehnsucht nach einer scheinbar lang vergangenen Zeit. Neuseeland ist so weit weg wie zuvor, unser Leben dort eine rasch verblassende Erinnerung…

Nein, das darf es nicht sein! Aber wie schafft man es, an eine Auszeit anzuknüpfen, scheinbare Selbstverständlichkeiten des “alten” Alltags neu zu überdenken und mit den gewonnenen Einsichten und Eindrücken neu zu gestalten? Viele Teilzeitauswanderer und (Welt)reisende stellen sich diese schwer zu beantwortende Frage danach, wie man das Erlebte “hinüber retten” kann. Einige werden in ihrem “alten Leben” gar nicht mehr heimisch, und fangen tatsächlich etwas ganz neues an wie Christian und seine Familie, andere werden experimentierfreudiger und ziehen in ein kleines Dorf um wie Thor von Sechs Paar Schuhe oder im Gegenteil noch verbundener mit ihren Gewohnheiten. Oder sie gestalten den “Wiedereintritt” so langsam wie Gwen und Patrick, die so weit nach Osten gereist waren, bis sie vom Westen aus wieder nach Hause kamen – wobei sie die letzten paar Kilometer von Barcelona bis in den Schwarzwald zu Fuß zurück legten. Vielleicht funktioniert so eine Auszeit gar nicht so, wie ich es mir vorher vorgestellt hatte, als ich dachte, danach würde sich mein ganzes Leben verändern? Vielleicht sind es wie mein Tatoo nur winzige Kleinigkeiten, Nuancen und Einstellungen, die man tatsächlich “mitnehmen” kann?

Nun ist es also danach und ich mache auf keinen Fall alles anders, vielmehr ist es so, dass ich höchstens einige winzigkleine Winzigkeiten anders mache, wie z.B. dass ich nichts Neues mehr zum Anziehen oder für die Wohnung kaufe, sondern nur noch Gebrauchtwaren (wobei das in Deutschland wesentlich weniger Spaß macht als in Neusseland…). Dass ich leichter Dinge wegschmeiße als vorher, um nicht mehr so viele zu haben. Und dass ich mich noch lieber mit gutem Essen beschäftige. Also immerhin!

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Fett schmeckt – Maori Fried Bread ist wie eine bayrische Aus’zogene und beides macht unglaublich glücklich!

Ich habe noch nie einen fixen Plan für meine Zukunft gehabt, und seit unserer Erfahrung in Neuseeland bin ich überzeugt: das Haus, in dem ich gerade sehr gerne lebe, wird sicher nicht meine letzte Wohnung sein, ich werde meine Arbeit immer wieder neu (er)finden und wer weiß, wo es mich noch hinverschlagen wird? Die Abenteuerlust ist jedenfalls geweckt, und auf die Frage, ob ich denn nun auswandern würde, kann ich nur antworten: wer weiß? Momentan habe ich es jedenfalls nicht vor – aber dass ich nicht das letzte Mal längere Zeit in Neuseeland verbracht haben werde, ist gewiß! Ich will noch viel mehr von diesem schönen Land sehen. Ich will wieder ins Jester House und ins Boathouse zum Essen und Musikhören gehen, und an der Mapua Wharf einen Kaffee trinken. Und vor allem will ich unsere Kiwi-Freunde wieder sehen – aber auch nie unsere hiesigen Freunde verlassen… Denn letztlich sind es immer die Menschen, wegen denen ich nicht nur in Neuseeland größere und kleinere Auszeiten machen will, sondern auch in ganz vielen anderen tollen spannenden Ländern, wo es Leute gibt, die ich besuchen und näher kennen lernen möchte: Irland, Schweden, Argentinien, Neufundland stehen jetzt auf meiner Bucket-List!

Ich bin immer noch die Selbe, aber vielleicht mit mehr Erkenntnis darüber, was mich ausmacht, was mich glücklich macht. Ich weiß jetzt, dass Neuseeland immer meine Herzensheimat sein wird – genauso, wie der Alpenrand. Beides gibt mir postive Gefühle von Heimt und Geborgenheit, beides macht mich glücklich, von beiden kenne ich auch die nicht so schönen Seiten. Ich mache mir keine Illusionen darüber, dass ich das absolute Paradies finden könne, wo alles nur einfach und leicht und angenehm ist. Aber ich weiß, dass es auf dieser Welt mehr als einen Ort gibt, der ziemlich nah dran kommt!

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2 thoughts on “Home is where the heart is – wie kommt man wieder an?

  1. Liebe Alexandra,
    ich hab so oft an euch gedacht, war neugierig, wie es mit der Eingewöhnung in Deutschland klappt, ob ihr Neuseeland (auch) so sehr vermisst. Wir waren auf deine Empfehlung und euren hin im Februar 3 Wochen von unseren insgesamt 3 Monaten in NZ, in Nelson. Es war sooo schön! Seit 3 Wochen sind wir nun von unserer Weltreise zurück und tun uns sichtlich schwer mit der Eingewöhnung. Bei Vielem was du geschrieben hast, erkenne ich mich/uns wieder:
    -neue Klamotten – wozu? -Brauchen wirklich so viel ‘Gerümpel’? Raus damit!
    -Gutes Essen? Und ob!
    -Auswandern? Wir sind für alles offen!
    Dein Blogeintrag hat bei mir Gänsehaut und das Schwelgen in Erinnerungen ausgelöst, vielen Dank :)!
    Herzliche Grüße aus München !
    Sabine
    (Facebook: with 3Gs around the world)

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  2. Liebe Alexandra,
    ich finde, dass du dich wirklich sehr glücklich schätzen kannst, zumal du es vermagst über all dies auch zu reflektieren – das ist das Bereichernde daran, sonst würde vieles einfach vorbeiziehen.

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