Posted in Die Reise, Mobiles Reisen, Vorbereitung

Reisen mit etwas mehr als sieben Sachen – als Sixpack durch Neuseeland

Hier schreibt Alexandra:

Als Europäer macht man in Neuseeland weniger Urlaub, man bereist das Land eher. Denn wenn man schon so weit in die Ferne fährt, möchte man verständlicherweise herumkommen und so möglichst viel vom Land sehen – wer weiß, wann die nächste Möglickeit kommt, auf die andere Seite der Welt zu gelangen!

Reisen ist nicht wie Urlaub machen, denn reisen bedeutet im ursprünglichen Sinn (die Herkunft des Verbs datiert übrigens etwa aus dem 9. Jahrhundert) “sich aufmachen, sich erheben, aufstehen”. Also unterwegs sein, und den Weg als Ziel sehen. Reisen ist daher mit einem gewissen Aufwand verbunden: sich aufmachen bedeutet packen, fahren, suchen, ankommen, einchecken, auspacken, einpacken, auschecken, fahren, suchen…

Reisen kann also durchaus anstrengend sein, zumal, wenn die Reise mit vier Kindern und dem entsprechenden Zubehör unternommen wird. Denn allein die Dinge, die ins Auto sortiert werden müssen, übersteigen „Siebensachen“ bei weitem. Für sechs Menschen sechs Wochen unterwegs benötigt man eher Siebzigsachen, die auf engstem Raum in ein Auto zu verstauen sind, bevor es losgehen kann. Das ist das Schöne und das Schreckliche an einer Reise, denn los geht es fast jeden Tag!

lake-pukaki

Wir haben eine gewisse Routine entwickelt, haben (fast) immer pünktlich ausgecheckt, Im Auto immer alles so untergebracht, dass wir sogar noch etwas im Rückspiegel sehen konnten, und unterwegs nur drei Dinge verloren:

  • ein Messer – wobei wir das Gleiche in der Küche eines sehr mittelmäßigen Motels in Rotorua entdeckten und kurzentschlossen mitnahmen, denn es schien uns wie ein Wink des Schicksals…
  • das Kuscheltier „Scarlett“, das in den Weiten der Mt. Potts Lodge ein neues Zuhause fand
  • unseren Kartoffel-Schäler, der eigentlich sowieso nicht unserer war, sondern den wir in einem Hostel gegen unseren unscharfen “versehentlich eingetauscht“ hatten

Die letzten Nächte unserer Reise verbringen wir in unserem treuen Zelt auf dem herrlichen Campingplatz Mapua Leisure Park mit Pool, Cafe und Strand, nur rund 30 km von unserem Zuhause in Nelson entfernt. Fast 6 Wochen und fast 6.000 km on the road liegen hinter uns.

Last stop Mapua
Last night in tent at Leisure Park Mapua – with two broken poles after a final stormy night…

Aber von vorne: Wir hatten uns wie so viele Neuseelandreisende im Vorfeld überlegt, ob wir ganz „klassisch“ im Campervan herumreisen sollten, oder mit Auto und wahlweise Zelt, Hostel oder Motel. Da die Miete für einen Campervan für sechs Personen unser Reisebudget bei Weitem überstiegen hätte, verwarfen wir dieses Modell recht schnell. Und weil wir für unseren sechsmonatigen Aufenthalt sowieso ein Auto gekauft hatten, entschieden wir uns dafür die Zelt-/Hostel-/Motel-/wo-auch-immer-Variante. Es stellte sich tatsächlich als wesentlich kostengünstiger heraus, und wir schafften es, unser Reisebudget (150 Dollar für Übernachtungen pro Tag) ohne Probleme einzuhalten. Insgesamt verbrachten wir

  • 11 Nächte im Zelt,
  • 10 Nächte in Hostels
  • 6 Nächte in Cabins auf Campingplätzen
  • 5 Nächte in Motels
  • 2 Nächtein einem Hotel (Carls Geburstagsgeschenk) und
  • 3 Nächte bei Freunden (1000 Dank an Stephan und Melanie, Antonie und Lee).

Zum Glück sind die Kiwis sehr unkompliziert, was Autokäufe und -verkäufe angeht, außerdem gibt es viele Fahrzeuge mit 6 bis 8 Sitzen, die umklapp- und drehbar sind. So hatten wir keinerlei Probleme, einen Achtsitzer mit Schiebetür, geräumigem Kofferraum und sogar Schiebedach zu finden. Da die mittlere Sitzreihe unseres Toyota Lucida drehbar ist, konnten wir für die Reise sogar weiteren Stauraum für das Zelt, Isomatten und Schlafsäcke zwischen den Vordersitzen und den umgedrehten mittleren Sitzen schaffen. So haben die Kinder auch Gelegenheit, sich während der Fahrt gegenüber zu sitzen und z.B. Uno zu spielen. Als Tisch dient dabei unser „Technikkoffer“, in dem alle Tablets, iPods, Lautsprecherboxen, Ladekabel und Adapter aufbewahrt werden.

Soweit, so gut. Die nächste Herausforderung war, unser sonstiges Camping-Equipment so unterzubringen, dass wir es im Bedarfsfall schnell zur Hand hätten. Und natürlich mussten wir erst einmal überlegen, welche Utensilien wir überhaupt benötigten.

Beim „Family Store“ erwarben wir günstig einen Satz schönes Vintage-Besteck (zu dem auch das verlorene Messer gehörte, das aber auf wundersame Weise wieder zu uns kam), einige Teller und Becher. Außerdem entdeckte Christoph einen Toaster-Aufsatz für unseren Campingkocher, den wir aus Deutschland mitgebracht hatten (eigentlich stammt der berühmte Trangia Stormkök sogar aus Schweden, wo er seine ersten Einsätze in den 1980er Jahren bei diversen Lappland-Wanderungen hatte.) Des Weiteren liehen wir uns von unseren Vermieter-Freunden eine Pfanne und einen Topf mit Deckel und packten alles in unsere drei Pappkisten. Die hatten wir bei unserem ersten Großeinkauf bei Pack’nSafe entdeckt, und nutzen sie seither stets zum Einkaufen. In eine Kiste kam außerdem noch ein Grundset an Gewürzen, Spüli und Spülbürste, sowie Waschmittel und Tesafilm. Später erstanden wir noch eine “Pams”-Kühltasche, die wir des öfteren in den Kühlschränken der Unterkünfte verwechselten, denn just diese Tasche hatten so einige Reisende dabei (es gab sie günstig im Countdown, einer der großen Supermarktketten…). Einige kleinere Werkzeuge fanden gemeinsam mit den Wanderschuhen unter den hinteren Sitzen Platz und wir stellten mit Bewunderung fest: unser Auto ist tatsächlich ein Raumwunder! Leider benötigten wir vieles, das wir voller Stolz eingepackt hatten, gar nicht, denn in neuseeländischen Hostels, Motels und Campingplatz-Küchen finden sich stets Wasserkocher, Toaster, Spülutensilien sowie meist auch diverse Kochgerätschaften und Geschirr. Auch Toilettenpapier ist stets ausreichend vorhanden – keine Selbstverständlichkeit, wie wir schon öfter auf deutschen Campingplätzen oder öffentlichen Toiletten verzweifelt hatten feststellen müssen! Und an herrlichen Picknickplätzen meist auch gleich mit Bänken und Tischen mangelt es sowieso nicht…

Und dann ging es tatsächlich los: erster Stop zum Frühstück war schon mal die Fähre, die wir morgens um kurz vor 9 a.m. bestiegen – den Tagesrucksack mit Jause, Jacken etc. hatte ich am Vorabend bereits gepackt. Gut organisiert scheinbar. Denn in Wellington, unserer ersten Station, übernachten wir im Hostel „Lodge in the city“, das über keinen Parkplatz verfügt! Also gilt es zu überlegen, was alles für eine Nacht gebraucht wird, dieses aus dem unten im Laderaum verstauten Koffer herauszukramen und irgendwie umzupacken. Wir versuchten Teile in irgendwelche Kisten dazu zu packen, schleppten viel zu viele Kisten mit ins Hostel, und hatten doch einige unentbehrliche Sachen im Auto vergessen – kurzum, alles ein wenig mühsam!

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Der nächste Stopp ist ein Zeltplatz an der Kapiti-Coast, wo wir das Ding-Management schon besser im Griff haben, allerdings bei der Zeltbestückung versagen: zwar bleiben wir bei dem nächtlichen Regenguss innen schön trocken, und die Gepäckstücke im Vorzelt von oben her auch – allerdings haben wir übersehen, dass der Vorzeltboden mit dem Außenzelt hätte verbunden werden müssen, so dass sich die dort gelagerten Taschen der Teenager von unten mit Wasser vollgesogen haben. Die Sachen zu trocknen ist unmöglich, da wir weiter wollen (der Zeltplatz ist eher interessant als schön) und so müssen wir wohl oder übel alle nassen Sachen in die Taschen zurückstopfen und mit einem muffligen Berg Wäsche weiterfahren. Die nächste Übernachtungsvariante entschädigt uns für diese Mühen: das „Anglers Paradise Motel“ in Turangi bietet Laundry inkl. Trockner, einen herrlichen Garten mit Pool und Spielplatz, sowie drei große Zimmer für uns. Fast schon wie eine Ferienwohnung! So hatten wir also alle drei Varianten einmal durchgespielt, und waren eigentlich mit allen sehr zufrieden:

Die Hostel-Variante ist gut, um günstig zu übernachten und Tipps von Mitreisenden zu bekommen, die Zeltvariante ist zwar aufwändig, dafür ebenfalls kostengünstig und gemütlich, und der Motelmodus zwischendurch ist sinnvoll, um jedem etwas Komfort und vor allem Raum zu verschaffen. Das Angenehme an neuseeländischen Accomodations jeder Art ist wie schon gesagt, dass es so gut wie immer einen Wasserkocher und einen Toaster gibt, fast immer eine Kochgelegenheit und einen Gas-BBQ, Wasch- und Trockenräume und große Kühlschränke. Das einzige Mal, dass wir auf diese Dinge verzichten müssen, ist in einem Hotel, in das wir uns zu Ehren von Carls zehntem Geburtstag in New Plymouth eingemietet haben – wir packen kurzerhand den Campingkocher aus, den wir bis dahin fast noch gar nicht genutzt hatten, und kochen im großen, fast leeren Hotelzimmer…

Im Großen und Ganzen führt der Campingplatz in Hahei auf der Coromandel-Halbinsel unsere Favoritenliste an, vielleicht, weil auch unser “Navigator-South”-Zelt den Namen Hahei trägt?

Dieses hatten wir übrigens günstig beim „Warehouse“ erstanden, und zunächst wenig Zuversicht, dass es uns bei Regen oder Sturm solide Schutz bieten würde – zum Glück irren wir uns gewaltig und staunten, dass wir sogar eine Orkannacht im Glentanner-Camp am Fuße des Mt. Cook trocken und warm überstanden. Mit ein Grund für unsere Liebe zum Hahei Holiday Resort ist sicher auch das sommerliche Südseefeeling, das wir dort vier Tage lang genossen, und die Tatsache, dass wir dort so entspannt Weihnachten feierten und Delfine sahen. Und auch endlich unser selbstgebautes Kubb-Spiel und die Fallschirmseidenhängematte vom Nelson Market ihre ersten Beach-Einsätze fanden.

Denn eigentlich fehlt hier eine „Indoor-Aufenthaltsgelegenheit“, so, wie wir sie im Birdsong-Hostel in Hokitika hatten, ein weiteres Accomodation-Highlight unserer Reise: eine gemütliche Küche vom Feinsten, in der Nachmittags stets Kuchen bereit stand, mit Blick auf Meer und (bei entsprechender Tageszeit) Sunset, dazu Sofas, Spiele, und supernette Gastgeber, die uns sogar das Flachsflechten beibrachten – ein Traum! Allerdings auch eine der teuersten Unterkünfte…

Mit kurzem Abstand in der Familien-Beliebheits-Skala folgt der Kiwi-Holiday-Park bei den Moeraki Boulders, der von netten Ex-Schweizern betrieben wird, die sich vor ein paar Jahren in diesen Platz verliebten und ihn kurzerhand übernahmen: hübsche Hütten, von denen man Meer und Strand sehen kann, der Blick dorthin nur unterbrochen von der großen Spielwiese mit diversen Kart-Gefährten.

Ein weiteres Highlight war das laut Lonely Planet „an Twin Peaks erinnernde“ Anglers Paradise Motel in Turangi nahe dem Tongariro Nationalpark. Der marode Charme des etwas in die Jahre gekommenen Motels begeisterte nicht nur mich als Fan der skurilen TV-Serie aus den späten 1980er Jahren. Das lag vielleicht auch daran, dass der nette Betreiber Rob auf Wunsch („just call 800“) sogar den Hot Pool im Garten an – herrlich nach einer Wanderung!

Ein wenig uneins sind wir uns, was die Beurteilung des „Chillawhile“-Hostels in der Pinguin-Stadt Oamaru angeht: ein altes Haus mit knarzenden Stufen und bunt bemalt innen wie außen, sogar die Fußleisten in der Toilette, angepriesen als Backpacker-Home mit Art-Galerie und eigenem Atelier und Musikzimmer. Heißt: man kann hier selbst zu Farbe und Pinsel oder Gitarre, Klavier und Ukulele greifen, und kreativ werden, was die Hausbewohner aus aller Herren Länder auch tatsächlich tun. Während die eine Hälfte der Familie sich begeistert ins Hostel-Leben stürzt, ist die andere etwas zögerlich, denn – zugegeben – das Haus hat etwas von einem Coen-Brüder-Film an sich, mit einem ausgeprägten Hang zur Skurilität.

Das spannendste an dieser Art des Reisens sind aber immer wieder die anderen Reisenden, mit denen wir uns beim Kochen, Weintrinken und Zeltaufbauen austauschen. Für mich ist das Schönste am Unterwegssein, Geschichten zu hören über das Reisen, und über das Leben, das ja selbst auch eine Reise ist. Jeder kann über seine eigenen kleinen Abenteuer erzählen, die an Orten spielen, die man teilweise selbst gesehen hat. Oder noch sehen möchte… Also alles wieder einpacken und weiter geht’s!

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