Posted in Die Reise, Essen und Trinken, Mittelerde in Neuseeland, Mobiles Reisen, NZ Landscape, Uncategorized

Alexandra -meine Stadt!

Hier schreibt – wer sonst – Alexandra über Alexandra:

Wenn es schon eine Stadt gibt, die so heißt wie man selbst, muss man dort hin! Also auf nach Alexandra, sowieso praktisch auf dem Weg von Dunedin und der Ostküste nach Queenstown und in die Berge gelegen. Viele Neuseelandreisende kommen vermutlich auf eben diesem Weg durch Alexandra, und lassen die Stadt dann am Wegesrand liegen, ohne sich ihr näher zu widmen. Welch grober Fehler!

img_3450
Die Shaky Bridge über den Manuherikia River, eröffnet 1879

Denn Alexandra gehört nicht nur wegen des Namens zu meinen persönlichen Highlights unserer Neuseelandrunde: Es ist eine hübsche Stadt, mit einem fast südtirolerisch anmutenden Hinterland, in dem Obst und Wein gedeihen, inmitten von goldbraunen Bergen, deren Geheimnis sich erst bei genauerem Hinsehen – oder besser: hinschmecken – erschließt und einem überaus ansprechenden Gastronomie-Leben.

Im Lonely Planet findet Alexandra nur kurz Erwähnung wegen der umgebenden Mountain-Bike Strecken (Teil des Otago Rail Trails) und wegen der Möglichkeit, dort als Erntehelfer zu arbeiten. Nichts zu dem wunderbaren Bade-Fluss, über den sich eine alte Hängebrücke spannt, nichts zur Uhr, die mitten am Berg hinter der Stadt hängt, nichts zum Namen, der ja einigermaßen ungewöhnlich ist. Wie viele Städte haben schon einen Vornamen als Namen? Dieser bezieht sich übrigens auf Prinzessin Alexandra von Dänemark, die 1863 den zukünftigen britischen König Eduard VII heiratete und damit zur britischen Königin und Kaiserin Indiens wurde und die Urgroßmutter von Queen Elisabeth II ist. Ihr zu Ehren wurde die noch junge bis dato mehr oder weniger namenlose Goldgräberstadt Alexandra benannt.

Wir erwarteten nicht allzu viel, als wir eines Nachmittags dort eintrafen, und eigentlich nur eine Nacht dort verbringen wollten, um am darauffolgenden Tag nach Queenstown, bzw. Glenorchy weiter zu fahren, Neuseeland-Highlights, die wiederum in jedem Reiseführer als must-dos angepriesen werden (und zu denen wir dann letztlich gar nicht hingelangten…). Wir waren von der Otago Peninsula via Middlemarch angereist, denn unser „Hobbit-Locations“-Reiseführer hatte uns den Sutton-Salt-Lake-Track nahegelegt, und überhaupt die sogenannte Strath Taieri in Central Otago, die von der Rock-and-Pillar-Range dominiert wird. Diese Gegend zeichnet sich durch eine für Europäer absolut ungewohnte Weitläufigkeit aus, bei gleichzeitigem Fehlen von jeglichen Zeichen von Zivilisation. Das einzige, was die goldenen Hügel durchbricht, sind die unzähligen Schiefer-Formationen, „Schist-Tors“, die den Zwergen und Bilbo, dem Hobbit im „Hobbit“ Versteck bei ihrer Flucht vor den bösen Orks boten. Der Sutton-Salt-Lake-Track ist zwar kein Original-Drehort, aber landschaftlich absolut beeindruckend, und auch für Nicht-Mittelerde-Fans absolut faszinierend, eben weil so menschenleer. Umso erstaunlicher sind die kleinen Städte, auf die man auf dem weiteren Weg nach Alexandra passiert: Middlemarch, Hyde, und Ranfurly – ein Kleinod mit Art Deco Museum!

Sutton Salt Lake Track
Sutton Salt Lake Track

 

 

 

20170114_150655_HDR.jpg
Ranfurly Art Deco Museum

Und dann eben Alexandra: eingebettet zwischen braun-goldenen Hügel, an der Stelle, an der der Manuherikia-River in den smaraggrünen Clutha-River mündet, in denen beiden früher Gold geschürft wurde. So war auch Alexandra einst eine Goldgräber-Stadt, und rühmt sich außerdem als diejenige Stadt Neuseelands, die am weitesten vom Meer entfernt liegt, und daher das „kontinentalste“ Klima mit heißen Sommern und kalten Wintern hat. Passt zu mir!

Alexandra ist für Überraschungen gut:

Überraschung 1: Die Uhr am Berg

Es gibt da also diese Uhr: sie hängt am Stadtrand einfach inmitten der Hügel, riesengroß, so dass man sie nicht übersehen kann. In der Dämmerung beginnen die Zeiger zu leuchten, damit man auch nachts die Uhrzeit ablesen kann. Was es mit dieser Uhr auf sich hat, erfahren wir bei einem ersten abendlichen Stadtspaziergang, der uns über die „Shaky Bridge“ ins gleichnamige Weinlokal führt. Dort sitzt ein älteres Ehepaar aus England, das uns einlädt, doch einen der vorzüglichen Weine, die in Alexandra hergestellt werden zu probieren.

img_3456
Alexandra Mountain Clock, established 1968

Überraschung 2: Alexandra ist Weingebiet

Um Alexandra erstrecken sich vor allem die Pinot Noir Reben des Black Ridge Vineyard, dem südlichsten Weinanbaugebiet der Welt. Auch herrlicher Chardonnay und sogar Gewurztraminer (!) wird hier gekeltert.  Die Weine sind wirklich vorzüglich, ich probiere z.B. den Devils Backbone Pinot Noir

Der Blick in die Speisekarte und ein kurzes Gespräch mit der französischen Inhaberin lässt in uns umgehend den Wunsch entstehen, noch eine weitere Nacht in Alexandra zu verbringen, um am nächsten Abend im „Shaky Bridge“ einkehren zu können. Denn die Speisekarte liest sich vorzüglich, und die tollen französischen Gerichte aus heimischen Produkten sind es dann tatsächlich auch!

Überraschung 3: In Alexandra sind echte Gourmets daheim

Das sollte uns allerdings erst am nächsten Tag endgültig klar werden, zunächst waren wir ja noch dabei, das Geheimnis der Uhr am Berg zu enträtseln. Das englische Ehepaar, das ebenfalls bereits viel länger als ursprünglich geplant hier hängen geblieben war, hatte es herausgefunden: da die umliegenden Hügel über und über mit Thymian bewachsenen sind – englisch “thyme” – hatte sich die Stadt 1968 dazu entschlossen, dies auch bildlich darzustellen, und zwar mit Hilfe von „time“. Also deshalb die Uhr. Nun ja, nicht auf den ersten Blick ersichtlich, aber doch mal wieder eine typische Kiwi-Story.

Am nächsten Tag statten wir nach einer Wanderung vom ebenfalls sehr hübschen Nachbarort Clyde am farbintensiven Clutha River entlang auch der Uhr am Berg, der Mountain Clock dann natürlich einen Besuch ab. Ein kleiner Wanderweg führt direkt hinter die Uhr, und man sieht, wie groß sie tatsächlich ist. Weiter geht es zu einem Lookout, von wo aus ebenfalls Wanderwege starten. Wir gehen also ein kleines Stück durch bräunlich-vertrocknete Thymianwiesen und sind überwältigt vom Thymianduft. Was auf den ersten Blick etwas unansehnlich erschienen war, sind in Wirklichkeit tausende winziger Thymianblüten – was muss die Stadt zur Blüte für einen hübschen Anblick haben (und wie schön muss das dazugehörige Thyme-Festival im Frühling sein)! Dass der Thymian jetzt mitten im Sommer vertrocknet ist, hat den Vorteil, dass er einen unglaublichen Duft entfaltet. Wir brechen hin und wieder einige Zweige ab und nehmen sie mit. Seither würzen wir nicht selten unsere Gerichte mit reichlich Thymian, wozu wir die trockenen Zweige einfach über dem Topf/der Pfanne etwas „auswringen“. Ich hätte noch Stunden durch die Thymianberge weiterlaufen können, aber wir wollen ja noch in der Shaky Bridge einkehren. Und danach im Manuherikia-Fluß baden…

img_3452

Und am liebsten wäre ich noch viel länger hier geblieben! Also bittesehr: Alexandras Geheimtipp für alle Neuseelandreisenden – Alexandra 🙂

Advertisements

2 thoughts on “Alexandra -meine Stadt!

  1. Liebe Alexandra, was für ein toller Artikel! Ich lese eure Berichte sehr gern mit 🙂

    Als Redakteurin des Magazins 360° Neuseeland bin ich immer auf der Suche nach Autoren, die Lust haben, ihre Geschichten aus Neuseeland zu erzählen. Und diese Geschichte wäre perfekt für das Magazin! Hättest du Lust, das zu machen? Dann freue ich mich auf eine Mail an j.menzel@360grad-medien.de 🙂

    LG und weiterhin gute Reise!
    Jenny

    Like

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s