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Beachchristmas – Glitzergrotte – Felsentürme : Reise durch den Norden (2)

(Chr) Was für Landschaften! Von dem orange-grünen Champagnerpool nahe Rotorua treibt uns die Neugierde weiter in den Norden Neuseelands. Über den Besuch des noch jungen, und touristisch gesehen schon legendären Hobbitons haben wir bereits berichtet, der Weg führt uns von dort aus weiter auf die nordöstlich gelegene Halbinsel Coromandel. Die Route ist sehr abwechslungsreich: wir durchfahren hügeliges Farmland, auf dem zumeist Schafe und Rinder grasen, und kleinere Städtchen, bis schliesslich ein Gebirgszug am Horizont auftaucht, der die Coromandel-Halbinsel durchzieht. Wir überqueren das Gebirge bis zu unserem Zielort Hahei, der an der Ostküste liegt. Dort wollen wir die Weihnachtstage verbringen. Unsere erste Sommerweihnacht überhaupt. Wir wissen nicht genau, was uns erwartet – außer “schöner Strand”. Dieser liegt geradewegs hinter der Düne unseres Zeltplatzes, vielleicht 100 Meter entfernt. Bei untergehender Sonne erreichen wir schnell den Beach. Eine unglaublich feinsandige Bucht, die vielleicht ein Kilometer lang ist und von einer Felsenküste umrahmt wird, auf der Hahei – ein kleiner Ort mit properen Ferienhäusern, einem Laden, einem Restaurant, einer Kirche und einem Community Center einschliesslich Bibliothek – angesiedelt ist. Wir können es kaum fassen. Der erste Blick aufs Meer eröffnet uns im Sonnenuntergang tanzende Delphine, eine Gruppe aus etwa 10 Tieren, die in etwa 100 Metern Entfernung ihr Spiel treiben. Sie verlassen die Bucht ziemlich schnell in Richtung offenes Meer. Es ist das einzige Mal, das wir sie in den vier Tagen unseres Aufenthalts zu Gesicht bekommen. Eine kleine Vorstellung extra für uns… wir sind ein bißchen gerührt.

Der Weihnachtstag naht und wir haben beschlossen,  am Morgen des 25.12. zu feiern. Mit Bescherung am Strand und mit “Barbie” (Barbeque), also kiwi-like. An unserem Strandabschnitt leuchten die roten Blüten der Pohutukawas, die auch als neuseeländische Weihnachtsbäume bezeichnet werden. Besonders bei tiefstehender Sonne, im Morgen- und im Abendlicht, können sie eine alpenländische Weihnachtstanne (fast) ersetzen. Natürlich nicht in ihrem Glanz und Zauber, wohl aber in ihrer Leuchtkraft. Die Coromandel-Halbinsel ist berühmt für die weite Verbreitung der Bäume, die ein subtropisches Kima mögen. Weihnachten am Strand ist übrigens wirklich sehr anders. Die Hektik und das Gewusel, was wir als Großfamilie in Deutschland jedes Jahr durchleben, weicht der chilligen Gelassenheit. Es gibt nur wenige Geschenke, die allesamt “klein” sind, sie dürfen das Gespäck beim Rückflug nicht zu sehr aufblähen. Keine Weihnachtspapierschlachten, kein Mahlzeitenstress – das ist prima. Und gleichzeitig vermissen wir die winterliche Gemütlichkeit, mit der wir in anderen Jahren im Kreis der Familie um die knusprigen Weihnachtsgänse herum sitzen.

Weihnachten als Fest ist gefühlt ziemlich schnell rum. Wir erkunden die nähere Umgebung von Hahei, dazu gehören der schillernde “Cooks Beach” (hier ankerte James Cook im jahr 1769 mit seiner Endeavour) und die Cathedral Cove, eine von Höhlen durchzogene eindrucksvolle Felsen- und Strandlandschaft. Auch den “Hot Pools”, etwa 10 km von Hahei entfernt, statten wir einen Besuch ab. Hier brodelt das Erdinnere direkt am Strand. Erwachsene Menschen aus allen Regionen der Welt graben mit Sandschaufeln Löcher in den Boden. Das Wasser sprudelt warm nach oben, und es wird so lange gegraben, bis ein ordentlicher Pool entsteht. Dass die Hot Pools immer wieder von der Flut des Ozeans nieder gerissen werden, stört eigentlich niemanden. Es wird einfach weiter gegraben…

Die Tage in Hahei erleben wir als besonders intensiv, quasi paradiesisch. Am Beach haben wir einen besonders schönen Abschnitt unten riesigen Pohutukawas aufgetan, unter denen wir unsere neue Hängematte einweihen können, die wir in Nelson auf dem Markt von einem Spezialproduzenten erworben haben. Auch unser selbst gefertigtes Kubb-Spiel können wir am Strand ideal nutzen. Wehmühtig verlassen wir die Bucht Richtung Südwesten. Anfangs wollten wir auf dieser Route in Auckland Halt machen, lassen aber die umtriebige Millionenstadt rechts liegen und steuern direkt auf die Waitomo-Caves zu, nachdem wir in Neuseeländisch-Cambridge in einem sehr schönen Motel übernachten. Die Höhlen, in denen sich Pilzmücken ansiedeln, deren Larven in der Dunkelheit bläulich leuchten, sind schon seit Ende des 19. Jahrhunderts eine der bedeutendsten touristischen Atrraktionen der Nordinsel. Nach einer Begehung der karstigen Höhlen werden wir mit etwa 20 anderen Besuchern in ein Boot gesetzt und gondolieren lautlos (Fotografieren verboten…) durch den natürlich erleuchteten Höhlenabschnitt – magic! Die Karstlandschaft der Gegend um Waitomo eröffnet einige weitere Attraktionen – Schluchten und Wasserfälle, die spektakulär sind. Es kostet zumeist Mühe dorthin zu kommen, für 30 Kilometer Autofahrt benötigen wir auf den kurvigen, mäßig ausgebauten Nebenstrassen schnell 45 Minuten (und wieder zurück…).

Ziel des  Tages ist der Küstenort New Plymouth, den wir über den Stage Highway 3 in etwa vier Stunden erreichen. Entlang des Weges zweigen wir das ein und andere Mal ab. Besonders imposant finden wir die Felsformation “The Three Sisters and the Elephant Rock“, etwa eine Stunde vor Plymouth, die wir eher zufällig an der Küstenstrasse entdecken. Im Mittelpunkt der Gegend steht jedoch der mächtige, alles überragende Vulkankegel des Mount Taranaki. Dieser blickt nur selten durch seinen Wolkenkranz, uns tut er aber freundlicherweise diesen Gefallen. Richtig schön ist sein Anblick am Abend von der Te Rewa Rewa Bridge am Rande von New Plymouth. Die Brücke soll eine Meereswelle zum für die Maori heiligen Vulkan darstellen, wir interpretieren sie – ohne dies zu wissen –  als Walskelett. Passt glücklicherweise beides irgendwie. Froh sind wir, am Wegesrand in Plymouth ein weiteres wunderschönes Cafe aufzutun: das “Federal Store” lockt uns in vollendetem Vintage Style der 50er Jahre mit allerleckerstem Kaffee und Gebäck und auch mit köstlich anmutenden warmen Gerichten.


In New Plymouth besuchen wir zudem das “Festival of lights“, bizarre Lichterinstallationen im größten Park der Stadt. Angetan sind wir vom Pukeariki (“Landeplatz der Häuptlinge”), ein moderner Bau, in dem Regionalmuseum, Bibliothek und Touristeninformation miteinander verbunden sind. Hier herrscht eine sehr lebendige, offene Atmosphäre – uns interessiert besonders die Geologie der Region rund um den Vulkan sowie die Maorikunst, die eine eigene Abteilung des Museums ausfüllt.

Von New Plymouth aus geht es wieder zurück in die Hauptstadt Wellington. Dort erleben wir auf einer faszinierenden Tour durch die Weta-Workshops  handfeste neuseeländische Filmproduktionsgeschichte. Leider bleibt uns zu wenig Zeit, um die schöne Wellingtoner Halbinsel Miramar zu genießen, die Fähre zur Südinsel ist für diesen Tag gebucht. Insbesondere, dass wir im “Chocolate Fish Cafe” nur kurz anklopfen und leider nur einen Kaffee genießen können, ärgert un ein wenig. Es ist zu schön und offensichtlich zu lecker dort….

 

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