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Sand und Schnee

Hier schreibt Alexandra:

Als Münchner Kindl quasi schon als Bergfex mit Skiern an den Füßen auf die Welt gekommen und gefühlt alle Wochenenden auf unserer Hütte in den Tiroler Bergen verbracht, war ich mein Leben lang ansässig am oberbayrischen Alpenrand. Berge sind also meine Heimat, mein Lebenselixier kann man fast schon sagen, und meine ausgeprägte Leidenschaft für Schnee, können vermutlich nur Menschen nachvollziehen, die ebenso gerne wie ich mit Skiern auf Berge wandern, um dann durch pulvrigen, glitzernden, staubenden Schnee wieder hinunter ins Tal zu wedeln (im Idealfall…). Strand? Was soll ich da? Was für viele Menschen ein Traum zu sein scheint, nämlich den Winter über an einem Strand zu verbringen, schien mir völlig abwegig.

Und nun verzichte ich also ganz freiwillig auf einen alpenländischen Winter, auf ein Sylvester mit ins-neue-Jahr-Rodeln, aufs (tirolernde) Fachsimpeln über die Beschaffenheit des Schnees, auf diamantgleich glitzerndes weißes Glück und verbringe ein halbes Jahr an einem Meer! Ich! Am Meer! Mit Strand!

Das Meer war mir bisher höchst unheimlich: obwohl ich viele Familienurlaube am italienischen Mittelmeerstrand verbracht habe, ist es mir immer etwas fremd geblieben. Ich hatte Alpträume von Riesenwellen, lange bevor alle Welt erfuhr, was ein Tsunami ist. Ich fürchte mich ein wenig vor dem, was alles in den Tiefen sein könnte. Und ich habe Angst vor dem endlosen Horizont, und dass da nichts mehr kommt… Lange Zeit war ich dem Meer auch regelrecht böse: mein Stiefvater ertrank eines Tages im Urlaub darin und jahrelang habe ich meinen Groll gegen das Meer gepflegt, bis ich ihn eines Tages am nördlichsten Ende Europas am Nordkap ins Eismeer gebrüllt habe. Danach ging es bergauf mit mir und dem Meer, und nun also lebe ich ein halbes Jahr an einem Strand – und es gefällt mir ausnehmend gut 🙂

NZL-Fotos 080.JPG

Die Tasman Bay, an der Nelson liegt, macht es einem leicht, das Meer zu mögen: die Farbe changiert zwischen einem tiefen Türkis und einem grünlichen Blau. Außerdem gibt es hier an der Norspitze der Südinsel – wie so oft auf der Südinsel – Meer und Berge gemischt: hinter dem Türkisgrün ragen auf der anderen Seite der Bucht in den entsprechenden Jahreszeiten tatsächlich die schneebedeckten ersten Ausläufer der neuseeländischen Alpen hervor. Das lindert hier meine Bergvermissung, die mich an anderen Meeren stets befällt.

Abgesehen davon betört mich unser Strand noch mit einem weiteren Phänomen: Das Meer, die Tasman Sea, kommt und geht hier mit großem Tidenhub und lässt jedes Mal eine völlig veränderte Landschaft zurück. Ich gehe jeden Tag manchmal mehrmals an den Strand, der von unserem Haus aus an mehreren Stellen zu Fuß zu erreichen ist, um nachzuschauen – und jedes Mal staune ich, wie sich Horizont, Meer, und Sand verändern. Natürlich habe ich schon von vielen Meeresliebhabern gehört, dass mein Vorurteil “Meer sieht doch immer gleich aus” Unsinn sei, jetzt kann ich es mit eigenen Augen sehen und erleben, wie Wind und Wasser die Landschaft immer wieder umformen.

Und dabei habe ich eine Entdeckung gemacht: der Sand sieht aus wie Schnee! Manchmal, wenn ich früh genug dort bin, um als erste über die vom Wasser wieder freigegebene Sandfläche zu gehen, ist es fast wie Neuschnee: es glitzert und der Wind hat den Sand manchmal zu „Rippen“ zusammengefegt. Und es ist noch keine Spur darin eingedrückt. Ich laufe als erste darüber, und sinke ein wenig ein, betrachte meine Spuren – auch das erinnert mich an Schnee.

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Und macht mich glücklich und versöhnt mit den Gegensätzen der Welt, die eigentlich gar keine Gegensätze sind: Sand und Schnee, beides – nun ja, jetzt könnte ich das bayrische Wort für “schön” einfügen, was sich sogar reimen würde, aber das scheint mir ein wenig abgedroschen. Da mir nichts passendes einfällt, gehe ich nun einfach einmal mehr nachsehen, wie der Schnee-Sand jetzt aussieht…

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3 thoughts on “Sand und Schnee

  1. Liebe Alexandra, deine schönen Gedanken zu Strand und Schnee sorgen für einen schönen Tagesbeginn , Danke ! Hier zeigt sich der Herbst von seiner schönsten Seite . Herzliche Grüße, Amelie

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  2. Das ist wirklich ein ausgesprochen schöner Text…und es scheint, als würdest Du es sehr genießen. Wir sind auch in Gedanken bei Euch! Und keine Angst, Alexandra. Noch verpasst Du nichts. Hier liegt (noch) kein Schnee 😉

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